Veränderungen im Menstruationszyklus sind bei Athletinnen sehr häufig. Ihre Ursache ist aber nicht immer klar. Wird dem Körper zu wenig Energie zugeführt, so kommt es zu physiologischen Anpassungen. Dabei ist beispielsweise die Energiezufuhr zur Aufrechterhaltung von energieraubenden Funktionen wie der Reproduktion zu gering. Deshalb kommt es häufig als erstes zu Veränderungen im Menstruationszyklus.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen einer tiefen Energieverfügbarkeit und dem Auftreten von menstrualen Störungen wurde schon mehrfach beschrieben. Die Konsequenzen sind häufig eine Oligomenorrhoe (Zyklusdauer >35 Tage) oder gar eine Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation), welche mit einem verminderten Östrogenspiegel assoziiert sind. Dies führt über lange Zeit auch dazu, dass die Knochendichte abnimmt und das Risiko für Verletzungen insbesondere Ermüdungsbrüche ansteigt. Man geht davon aus, dass der Zusammenhang zwischen der tiefen Energieverfügbarkeit und der menstruellen Störung über eine Verlangsamung der Pulsfrequenz des luteinisierenden Hormons führt (LH). In der nachfolgenden Studie hat man versucht, während drei Monaten die Energieverfügbarkeit sowie die LH-Pulsfrequenz zu beobachten und diese in Zusammenhang mit Veränderungen des Menstruationszyklus zu stellen.

Methode

  • Der Zyklus wurde vorgängig während zwei bis drei Monatszyklen beobachtet als Baseline-Untersuchung.
  • Danach wurde eine dreimonatige Ernährungs- und Trainingsintervention durchgeführt.
  • Drei verschiedene Energiedefizite wurden während der Studiendauer untersucht:  -15%, -30% und -60%
  • Täglich wurden Urinproben entnommen, um Östrogen- und Progesteronmetabolite zu untersuchen.
  • Die Zyklusdauer sowie die Symptome während des Menstruationszyklus wurden miterfasst.
  • Grundumsatz in der Follikelphase sowie Daten von einem Akzelerometer wurden verwendet, um die Energieverfügbarkeit zu berechnen.
  • Das Körpergewicht wurde miterfasst sowie die Körperzusammensetzung (Unterwassermethode)
  • LH-Pulsfrequenz wurde durch Blutentnahmen während 24 Stunden in 10 min-Intervallen untersucht

Ergebnisse 

  • Insgesamt wurden 14 Teilnehmerinnen untersucht. Alle hatten an einer grösseren Studie teilgenommen, wo während 24 Stunden Blutentnahmen im Spital durchgeführt wurden.
  • Der Gewichtsverlust betrug 3.2 ± 0.6 kg, wobei sich die fettfreie Masse nicht veränderte.
  • Die Energieverfügbarkeit nahm im Verlauf der Intervention ab, wie geplant, von anfänglich 38.3 ± 2.0 kcal/kg FFM/Tag auf 28.1 ± 2.4 kcal/kg FFM/Tag.
  • Es konnte keine Veränderung der Zykluslänge beobachtet werden (28.6 ± 0.6 vs. 29.3 ± 1.4 Tage). Die Lutealphase verkürzte sich jedoch signifikant (12.1 ± 0.6 vs. 9.6 ± 1.2 Tage).
  • Während der Studie entwickelten insgesamt 8 Frauen eine menstruelle Störung: Lutealphasendefekte (n=4) gefolgt von Oligomenorrhoe (n=4) sowie Ausbleiben des Eisprungs (n=3). Vier Frauen hatten eine Kombination dieser drei Störungen.
  • Die LH-Pulsfrequenz nahm als Folge der Intervention signifikant ab.
  • Eine Reduktion von 1 kcal/kg FFM/Tag der Energieverfügbarkeit resultierte in einer Reduktion von 0.017 der Anzahl Pulse/h in der LH-Pulsfrequenz.

Kommentar

Diese Studie hat über eine längere Zeit (drei Monate) die LH-Pulsfrequenz sowie die Zyklusdauer während einer Reduktion der Energieverfügbarkeit beobachtet. Dabei konnte keine signifikante Veränderung der Zykluslänge beobachtet werden, jedoch traten menstruelle Störungen bei einer Reduktion der Energieverfügbarkeit von durchschnittlich 38 kcal/kg FFM/Tag auf 28 kcal/kg FFM/Tag gehäuft haben. Zudem konnte gezeigt werden, dass auch die Anzahl Pulse pro Stunde der LH-Pulsfrequenz abnahmen. Somit besteht ein Zusammenhang zwischen einer tiefen Energieverfügbarkeit und der Reduktion der LH-Pulsfrequenz und diese kann in Zusammenhang mit dem Auftreten von menstruellen Störungen gebracht werden.

Literatur

Koltun et al. Energy Availability Is Associated With Luteinizing Hormone Pulse Frequency and Induction of Luteal Phase Defects. J Clin Endocrinol Metab. 2020