Die Paralympics 2026 sind seit kurzem beendet. 665 Athleten aus 79 verschiedenen Ländern kämpften um Edelmetall und erbrachten Spitzenleistungen. Diese PU zeigt auf, welche besondere Herausforderungen Parathlet:innen mit Querschnittlähmung (spinal cord injury, SCI), Amputationen (AMP) oder Cerebralparese (CP) im Bereich Sporternährung berücksichtigen müssen.
Energiebedarf
Der Energiebedarf variiert stark je nach Art der Beeinträchtigung und der verbleibenden aktiven Muskelmasse. Bei SCI und AMP kommt es aufgrund einer geringeren Muskelmasse zu einem niedrigen Grundumsatz. Je nach Sportart, Trainingsintensität oder Gehhilfen kann der Energiebedarf trotzdem beträchtlich sein. Spastiken und weniger effiziente Bewegungsabläufe beeinflussen bei CP den Energiebedarf ebenfalls. Um den Energiebedarf von Parathlet:innen möglichst genau abschätzen zu können, ist es entscheiden, all diese Faktoren zu berücksichtigen.
Genau wie im Fussgängersport, kann auch im Parasport das Erreichen einer bedarfsdeckenden Energiebilanz eine Herausforderung sein. Gerade Gewichtsthematiken in gewissen Sportarten kommen erschwerend dazu.
Es kann für Parathlet:innen deshalb ein grosser Challenge sein, eine ausgeglichene Energiebilanz zu erreichen. Daten aus dem Parasport zeigen, dass eine ungenügende Energieverfügbarkeit ebenfalls ein häufig auftretendes Problem ist.
Flüssigkeitsmanagement und Thermoregulation
Viele Parathlet:innen, insbesondere solche mit Rückenmarksverletzungen haben eine eingeschränkte Schweissproduktion und Temperaturregelung. Sportler:innen mit AMP speichern mehr Wärme, da ihre geringere Körperoberfläche die Verdunstungs- und Konvektionsabgabe hemmt. Prothesen und deren Auskleidungen isolieren zusätzlich und erschweren die Wärmeabgabe. Zwecks Senken der Körperkerntemperatur bieten sich kühle Getränke oder gar Eis-Slurries an.
Das Flüssigkeitsmanagement ist ebenfalls eine Herausforderung. Erstens ist das Durstgefühl häufig beeinträchtigt. Zweitens muss gerade wegen der tiefen Schweissrate eine Hyperhydrierung vermieden werden. Und drittens soll Harnwegsinfekten (durch Katheterisieren und Dehydrierung) vorgebeugt werden.
Deshalb ist ein fester Hydratationsplan basierend auf der individuellen Schweissrate entscheidend. Um die Flüssigkeitsaufnahme zu optimieren, kann/soll Natrium eingesetzt werden.
Kohlenhydrate und Proteine
Kohlenhydrate bleiben der wichtigste Treibstoff. Es gibt keine spezifische Kohlenhydratempfehlungen für Parathlet:innen. Zur Orientierung gelten die Standardempfehlung je nach Trainingsumfang/Intensität und pro KG. Athlet:innen mit SCI, AMP oder CP haben wegen der reduzierten Muskelmasse auch reduzierte Glykogenspeicher. Daher ist eine regelmässige Kohlenhydratzufuhr rund ums Training wichtig.
Die empfohlene Proteinmenge variiert sehr stark. Je nach Beeinträchtigung kann es zu vielen verschiedenen Nebenerkrankungen oder Einschränkungen kommen. Umso wichtiger ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit u.a. mit Urologie, zuständigem Arzt sowie Ernährungstherapie.
Mikronährstoffe
Diverse Untersuchungen zeigen, dass Parathlet:innen häufig Mikronährstoffmängel aufweisen. Dies liegt unter anderem am reduzierten Energiebedarf. Die Ernährung von Parathlet:innen muss daher qualitativ und mikronährstoffreich sein. Ein besonderes Augenmerk gilt für Vit. D, Kalzium, Eisen (v.a. für Athletinnen) und Zink.
Verdauung und Darmmanagement
Bei SCI kann es zu einer sogenannten neurogenen Darmfunktionsstörung kommen, die zu chronischer Verstopfung, Blähungen, Inkontinenz oder inkompletter Entleerung führt. Eine gezielte Zufuhr von Nahrungsfasern kann die Transitzeit verbessern. Wie bei nicht behinderten Athleten gilt es Supplemente unbedingt im Training auf ihre Magen-Darm-Verträglichkeit zu testen.
Fazit
Abschließend ist festzuhalten, dass eine individuelle Ernährungsberatung und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Optimierung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Parathlet:innen unerlässlich ist. Dabei müssen neben der genauen medizinischen Diagnose und derer Konsequenzen (sekundäre Erkrankungen) sowie der Medikation, auch die Sportart und das Niveau, die Schwankungen im Energieverbrauch, der Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen sowie der Flüssigkeitshaushalt sorgfältig berücksichtigt werden.
Quellen:
– Ghazzawi H, Al Aqaili R, Khataybeh B, et al. Tailored nutrition strategies for Paralympic athletes: addressing unique energy, nutrients, and hydration needs to enhance performance and health. Front Nutr. 2025; 12:1572961.
– Goosey-Tolfrey VL et Perret C. Understanding the paralympic athlete: How physical impairments affect energy expenditure. Sports Science Exchange (2025) Vol. 38, No. 261, 1- 6
– Scaramella J, Kirihennedige N, Broad E. Key Nutritional Strategies to Optimize Performance in Para Athletes. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2018;29(2):283-298.
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