Tom ist 32 Jahre alt und Trailrunner. Er trainiert durchschnittlich 8-12 Stunden pro Woche und bestreitet regelmässig Rennen zwischen 30 und 100 km mit den entsprechenden Höhenmetern. Leider hat er seine letzten beiden Wettkämpfe im Herbst jeweils nach 5-6h aufgeben müssen, da er nichts mehr essen und trinken konnte. Diesen Winter wollte er dieses Problem angehen und war in der Sporternährungsberatung. Da ist er zum ersten Mal dem Begriff Taste Fatigue begegnet.
Taste Fatigue, manchmal auch „Geschmacksüberdruss“ genannt, bedeutet, dass man bestimmte Lebensmittel oder Geschmacksrichtungen im Laufe eines langen Wettkampfs oder Trainings einfach nicht mehr einnehmen kann oder, dass diese einem gar widerstehen. Gerade, wenn man immer dieselben Riegel, Gels oder Getränke zu sich nimmt, kann schnell der Punkt kommen, an dem man nichts mehr runterbekommt. Das ist für Ausdauersportler*innen ein echtes Problem, denn ohne Energie und Flüssigkeit sinkt die Leistungsfähigkeit und die Regeneration wird schwieriger.
Taste Fatigue entsteht vor allem dann, wenn man immer wieder das Gleiche isst oder trinkt. Im Wettkampf- oder Trainingsgeschehen sind dies häufig süss schmeckende, kohlenhydratreiche Sportnahrungsmittel wie Sportgetränke, Gels und Riegel. Nach ein paar Stunden will und kann man diese Produkte meist nicht mehr sehen oder schmecken. Zudem beeinflussen metabolische und hormonelle Veränderungen infolge sportlicher Belastung – beispielsweise die Verschiebung von Hunger- und Sättigungssignalen, Dehydratation oder Temperaturveränderungen – das Geschmacksempfinden und die Akzeptanz von Nahrungsmitteln. Anders formuliert: wer dehydriert ist oder länger unterwegs war, nimmt Geschmack oft anders wahr und entwickeln mitunter eine Abneigung gegenüber bestimmten Lebensmitteln.
In der Praxis hilft es, schon bei der Vorbereitung auf Wettkämpfe verschiedene Geschmacksrichtungen und Konsistenzen einzuplanen. Wer zum Beispiel neben süßen Gels auch mal salzige Snacks, saure Drinks oder neutrale Speisen wie Kartoffeln oder Weißbrot einbaut, bleibt länger motiviert zu essen. Auch der Wechsel zwischen festen, brei- oder gelartigen und flüssigen Lebensmitteln kann helfen. Wichtig ist, dass man seine eigenen Vorlieben und die Reaktionen des eigenen Körpers kennt und regelmäßig abwechselt.
Am besten testet man verschiedene Produkte und Kombinationen schon im Training, und zwar unter echten Belastungsbedingungen. Dabei lohnt es sich, genau zu beobachten, was einem nach einigen Stunden noch behagt und was nicht mehr geht. Wer regelmäßig mit einer erfahrenen Sporternährungsfachperson arbeitet, kann seine Strategie immer wieder anpassen. Auch ein bewusstes Herangehen an das Thema Taste Fatigue hilft, damit man im Rennen nicht plötzlich überrascht wird.
Zusammengefasst: Taste Fatigue ist eine relevante, häufig jedoch unterschätzte Herausforderung im Ausdauersport. Folgende Massnahmen tragen massgeblich zur Vermeidung von Leistungseinbrüchen und zur Erreichung sportlicher Ziele bei:
- Eigene Erfahrungen sind wichtig/nützlich, um Taste Fatigue vorzubeugen
- Ernährungsstrategien planen, testen und trainieren
- Geschmacksrichtungen und Texturen abwechseln
- Ernährungs-Zyklen von 2–4 Stunden einplanen
- Zu Beginn wird feste Nahrung meist noch gut vertragen, gegen Ende dann vermehrt auf flüssige Nahrung wechseln.
- Kohlenhydrate müssen nicht zwingend süß sein: Reis, Kartoffeln, Brot, Maltodextrin, Salzgebäck etc. sind nur ein paar Möglichkeiten.
Hinterlassen Sie einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.