Die Einnahme von Casein vor dem Schlafengehen gehört mitunter zu den meist empfohlenen und verwendeten Supplementen im Leistungssport. Positive Effekte konnten in der Vergangenheit in Bezug auf die Proteinsynthese während der Nachtruhe gezeigt werden. Die Frage, ob ähnliche Effekte auch mit Whey-Protein erzielt werden können, bleibt nach wie vor unbeantwortet? Oder anders gefragt: Ist der Verkauf von Casein-Protein einfach gutes Marketing?
Es wurde bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass Protein, welches vor dem Schlafengehen eingenommen wird, die Muskelproteinsynthese während der Nacht stimuliert. Dies führte in dieser Phase zu einer positiven Nettoproteinbilanz im ganzen Körper. Zudem erhöhte sich dadurch zusammen mit dem richtigen Trainingsreiz auch die Muskelmasse. Aus diesem Grund wird eine Proteinzufuhr vor dem Zubettgehen heutzutage sehr oft empfohlen. Dies vor allem dann, wenn das Abendessen eher früh eingenommen wird. In den meisten Fällen werden Casein-Produkte empfohlen, weil es sich um ein langsam verdauliches Protein handelt, welches zu einem moderaten dafür steten Anstieg der Aminosäuren führt. Während in mehreren Studien die Zufuhr von Casein vor der Nachtruhe zu einer Erhöhung der myofibrillären Muskelproteinsynthese führte, wurden andere Proteinquellen wie das Whey-Protein nicht untersucht. Zudem scheint unklar, ob eine Zufuhr von Casein vor der Nachtruhe auch eine Erhöhung der mitochondrialen Proteinyntheserate bewirkt. Ziel dieser Studie war es, die Effekte einer pre-bed Casein sowie Whey-Protein Zufuhr auf die myofibrilläre sowie mitochondriale Rate der Muskelproteinsynthese zu untersuchen.
Methode
- 36 gesunde junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren
- Randomisierte, doppelblinde Studie mit 3 Versuchsarmen: 0 g Protein (n = 12), 45 g Casein (n = 12) oder 45 g Whey (n = 12)
- Standardisierte Mahlzeit um 17:30 Uhr; standardisiertes Ausdauertraining zwischen 19:45 und 20:45 Uhr, 21:00 Uhr 49 g Kohlenhydrate als Getränk, 23:30 Supplement (Placebo, Whey oder Casein)
- Bestimmung der Körpermasse und -zusammensetzung mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) vor der Intervention (separater Tag)
- Muskelbiopsie um 23:30 Uhr sowie um 7:00 Uhr zur Bestimmung der myofibrillären sowie mitochondrialen Proteinsyntheserate (“fractional synthetic rate” (FSR))
- Venöse Blutentnahme zu klar definierten Zeitpunkten zwischen 21:00 und 7:00 Uhr (Plasma Glukose und Insulin, Plasma Aminosäurenkonzentration)
- Skala zur Erfassung von Hunger und Schlaf vor und nach der Bettruhe
- Energiezufuhr beim Frühstück (ad libitum) wurde erfasst
Ergebnisse
- Plasma-Glukose nicht unterschiedlich zwischen den drei Interventionen
- Plasma-Insulinanstieg nach Whey und Casein, jedoch kein Anstieg nach Placebo
- Plasma-Insulinanstieg höher und länger anhaltend bei Whey im Vergleich zu Casein
- Plasma-Aminosäurenanstieg 60 bis 90 min nach Einnahme höher bei Whey im Vergleich zu Casein
- Plasma-Aminosäurenkonzentration höher bei Casein als bei Whey am Morgen
- Myofibrilläre sowie mitochondriale Muskelproteinsyntheserate waren signifikant höher bei Proteinsupplementation im Vergleich zu Placebo, jedoch nicht zwischen Whey und Casein Protein
- Keine signifikanten Unterschiede im Hungergefühl oder Müdigkeit am Morgen zwischen den drei Interventionen
- Keine signifikanten Unterschiede in der Energiezufuhr beim Frühstück zwischen den Interventionen
Kommentar
Die Zufuhr von 45 g Casein- oder Whey-Protein führte während der Nacht zu einer Erhöhung der myofibrillären Proteinsynthese. Auch die mitochondriale Muskelproteinsynthese wurde nach Einnahme von Casein- bzw. Whey-Protein erhöht. In beiden Fällen fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede in der Proteinsyntheserate zwischen Whey und Casein. Dies ist somit die erste Studie, welche die Effekte einer pre-bed Proteinzufuhr durch Whey- oder Casein-Protein auf die myofibrilläre wie auch mitochondriale Proteinsyntheserate direkt verglichen hat. Die Resultate deuten erstens darauf hin, dass zum einen zwischen Whey- und Casein-Einnahme vor dem Zubettgehen kein signifikanter Unterschied bezüglich der Erhöhung der Muskelproteinsynthese besteht. Zum andern scheint auch die mitochondriale Muskelproteinsynthese durch die Zufuhr einer pre-bed Proteinportion stimuliert zu werden. Das heisst, auch Ausdauerathleten profitieren von einer Zufuhr von Protein vor dem Schlafengehen. Da die Untersuchung nur männliche Studienteilnehmer beinhaltete, ist ein Schlussfolgerung auf Athletinnen nur eingeschränkt möglich. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch Athletinnen davon profitieren würden. Das Whey-Protein scheint nebst dem Casein ebenfalls eine ideale Proteinquelle zu sein, um die Muskelproteinsyntheserate während der Nachtruhe zu erhöhen.
Literatur
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