Kaltwasserbäder werden von Athleten sehr häufig und gerne angewendet. Ziel ist es, die Erholung der Muskulatur nach dem Training zu fördern. Gerade bei heissen Bedingungen ist dies noch beliebter, um die Körperkerntemperatur nach der Belastung zu senken. Es wurde in der Vergangenheit zudem berichtet, dass dadurch Muskelkater verzögert werden kann und Schwellungen reduziert werden. Zudem soll sich die Erholung der Muskelfunktion verbessern. Diese Vorteile scheinen jedoch vorwiegend schmerzstillend und vor allem subjektiv zu sein.
Jüngere Studien deuten darauf hin, dass die Kühlung nach dem Training die muskuläre Erholung sogar beeinträchtigen kann und die langfristigen Anpassungen an die Trainingseinheit dadurch reduziert werden. Zum einen wird die Muskeltemperatur gesenkt, zum anderen der arterielle Blutfluss in den unteren Extremitäten reduziert. Die Reduktion des Blutflusses nach dem Training wird als Schlüsselmechanismus für die Beeinträchtigung der langfristigen Anpassung postuliert. Die Muskelproteinsynthese scheint gegenüber normalen Nachbelastungsbedingungen trotz Zugabe von Protein reduziert zu sein. Bisher war jedoch unklar, ob dieser negative Effekt tatsächlich auf einer geringeren vaskulären Perfusion beruht und ob dadurch weniger Aminosäuren in das Muskelgewebe transportiert werden. Ziel der Studie war es, genau das, unter standardisierten Bedingungen, zu untersuchen.
Methode
- 12 gesunde, junge Männer (24 ± 4 Jahre; 80.9 ± 6.9 kg)
- Krafttraining der unteren Extremitäten
- Anschliessend 20 min: Ein Bein in kaltem Wasser (8°C: COLD) und ein Bein in thermoneutralem Wasser (30°C: CON).
- Recoverygetränk nach dem Kaltwasserbad: 20 g freie Aminosäuren und 45 g Kohlenhydrate (enthielt Tracer L-[ring-13C6]-Phenylalanin)
- Muskelbiopsie (M. vastus lateralis) 240 min nach Kaltwasserbad, um den Einbau der Aminosäuren im Muskel zu untersuchen.
- Mikrovaskuläre Perfusion wurde mittels Kontrastultraschall (CEUS) in Ruhe, nach dem Training, direkt nach dem Kaltwasserbad sowie nach 60 und 180 min gemessen.
- Kontinuierliche Messung der Hauttemperatur während dem gesamten Versuch.
Ergebnisse
- Hauttemperatur signifikant tiefer bis 180 min nach dem Versuch in COLD gegenüber CON.
- Der arterielle Blutfluss der Femoralarterie war im COLD-Bein unmittelbar nach dem Kaltwasserbad um etwa 50% reduziert gegenüber dem CON-Bein. Die Blutflussgeschwindigkeit blieb bis 180 min nach dem Bad im COLD-Bein geringer.
- Das mikrovaskuläre Blutvolumen war im COLD-Bein unmittelbar nach der Wasserimmersion signifikant niedriger als im CON-Bein (1.24 ± 0.82 vs. 3.13 ± 1.64 Video-Intensität; p < 0.001).
- Der Einbau exogener Aminosäuren (L-[ring-13C6]-Phenylalanin) in das Mischmuskelprotein war im COLD-Bein signifikant niedriger als im CON-Bein (0.011 ± 0.004 vs. 0.016 ± 0.005 mol Prozent Überschuss, p < 0.001).
- Die Differenz in der postprandialen Aminosäuren-Aufnahme war assoziiert mit der Differenz im mikrovaskulären Blutvolumen zwischen den beiden Beinen während der Erholung (r = 0.65, p < 0.05).
Kommentar
Diese Studie ist die erste, die direkt die muskuläre mikrovaskuläre Durchblutung nach Kaltwasserimmersion während der Erholung nach Krafttraining untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz eines Kaltwasserbad die Durchblutung der kleinen Gefässe im Skelettmuskel von jungen, sportlich aktiven Männern stark reduziert. Die beobachtete Reduktion wurde hauptsächlich durch eine Verringerung des mikrovaskulären Blutvolumens ausgelöst. Die Assoziation zwischen dem reduzierten mikrovaskulären Blutvolumen und der verringerten Aufnahme und Einbau zugeführter Aminosäuren in das Muskelgewebe legt nahe, dass durch Kaltwasserbäder die Nährstoffversorgung des Muskelgewebes während der Erholung beeinträchtigt und die Muskelproteinsynthese abgeschwächt wird. Athleten, die ihre muskulären Anpassungsreaktionen nach dem Krafttraining maximieren möchten, sollten die Anwendung von Kaltwasserbädern in ihrer Erholungsroutine überdenken und vermeiden.
Grundsätzlich ist jedoch zu erwähnen, dass diese Studie nur die Effekte während der ersten 240 min beobachtet und analysiert hat. Der Beobachtungszeitraum ist mit 4 Stunden nach dem Kaltwasserbad sehr kurz. Ob sich diese Resultate langfristig auf den Muskelaufbau sowie die Regeneration auswirken, lässt sich aus diesem Protokoll nicht abschätzen.
Literatur
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