Unter Athletinnen und Athleten tritt der Eisenmangel sehr häufig auf und ist meist ein Mitgrund für Müdigkeit und Leistungsverminderung. In den meisten Fällen wird er mit oralen Supplementationsstrategien behandelt. Diese sind wiederum häufig mit gastrointestinalen Beschwerden assoziiert. In diesem Review wurden verschiedene Therapieansätze zur Behebung des Eisenmangels bei Athletinnen und Athleten analysiert. Dies mit dem Ziel, im Hinblick auf Absorption, gastrointestinale Probleme und Effizienz der Therapie eine möglichst optimale Supplementationsstrategie zu finden.

Das Risiko für einen Eisenmangel ist für Eliteathletinnen und -athleten mit mehreren Trainingseinheiten pro Tag erhöht. So benötigt der Körper durch die hämatologische Trainingsadaption und den erhöhten Sauerstofftransport sowie der Kompensation der Eisenverluste im Schweiss oder aufgrund von gastrointestinalen Blutungen eine grössere Menge an Eisen. Dieser erhöhte Bedarf, die tiefe Bioverfügbarkeit von Häm- und Nicht-Häm-Eisen in Lebensmitteln sowie die Interaktion zwischen Trainingsbelastungen und Hepcidin, als primäres Hormon im Eisenstoffwechsel, stellen für Athletinnen und Athleten eine Herausforderung dar. In vielen Fällen werden daher orale Eisensupplemente aufgrund ihrer Effektivität, der nicht-invasiven Anwendung und der relativ überschaubaren Kosten bei Eisenmangel eingesetzt, obwohl damit das Risiko für gastrointestinale Beschwerden erhöht sein kann.

Methode: Review Artikel

Ergebnisse

  • Eisenaufnahme über die Nahrung: Die Steigerung der Eisenzufuhr über natürliche Lebensmittel stellt die konservativste Behandlungsstrategie bei Eisenmangel dar. Die tiefe Bioverfügbarkeit von Häm-Eisen (15-35%) in tierischen und Nicht-Häm-Eisen (2-20%) in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln erschwert jedoch eine ausreichende orale Eisenaufnahme. Zudem vermindern zahlreiche Inhibitoren wie Phytate, Polyphenole, Calcium sowie Zink und Mangan die Absorption. Vitamin C, Carotinoide und fermentierte Lebensmittel wirken hingegen als Promotoren.
  • Optimaler Zeitpunkt: Der Anstieg des Hepcidin-Levels 3-6 Stunden nach einer Trainingsbelastung vermindert die Eisenaufnahme. Zusätzlich hemmt eine hochdosierte Eisensupplementation die Eisenabsorption aufgrund signifikant erhöhter Hepcidin-Level ebenfalls innert der folgenden 24 Stunden. Die effizienteste Eisenaufnahme erfolgte beim Frühstück innerhalb von 30 Minuten nach einem absolvierten Morgentraining erfolgt.
  • Orale Eisensupplementierung
    • Supplemente: Eisensulfat-Präparate (Bsp. Tardyferon®) sind der Goldstandard bei der Therapie eines Eisenmangels., Bei schlechter Verträglichkeit können Polysaccharid-Eisen-Präparate (Bsp. Maltofer®) eingesetzt werden. Weniger gastrointestinale Symptome wurden beobachtet bei einer Dosierung von 100 mg verglichen zu 200 mg. Ob das Supplement in flüssiger oder Tablettenform eingenommen wird, spielt keine Rolle.
    • Einnahmeprotokoll: Eine alternierende Eisensupplementierung jeden zweiten Tag ist effizienter und wird besser toleriert sowie absorbiert als eine tägliche Dosis, obwohl insgesamt nur die halbe Menge Eisen im Vergleich zur täglichen Supplementierung eingenommen wird.
  • Parenterale Eisensupplementierung: Intravenöse (IV) Eisensupplementierungen führen zu einem rascheren Anstieg des Serum Ferritins und Hämoglobins. Die erhöhte Konzentration kann aber oft nur über einige Wochen aufrechterhalten werden. Nach einer IV Supplementierung ist die Eisenaufnahme über Lebensmittel eingeschränkt. Eine IV Eisensupplementierung wird nur in Fällen von Eisenmangelanämien oder wenn diätetische und orale Eisenstrategien erschöpft sind empfohlen.
  • Alternative Strategien zur Eisenaufnahme: Mithilfe von Eisenpflastern wird eine transdermale Supplementationsstrategie verfolgt. Diese Methode scheint jedoch weniger effizient zu sein als eine orale Supplementierung.

Kommentar

Dieses Review konnte aufzeigen, dass die Interaktion zwischen Training, Hepcidin und Eisenabsorption für Athletinnen und Athleten berücksichtigt werden sollte. Basierend auf den genannten Ergebnissen kann zusammengefasst werden, dass nach einer hochdosierten Eisensupplementation das Hepcidin während 24 Stunden erhöht bleibt und damit eine alternierende orale Supplementation sinnvoll erscheint. Bei gastrointestinaler Unverträglichkeit wird eine alternierende Supplementation, ein Polysaccharid-Eisen Präparat oder eine geringere Dosierung empfohlen. Die orale Eisensupplementation ist individuell auf den Athleten/die Athletin und dessen Training abzustimmen, so dass die Effizienz der Eisenabsorption sowie eine Verminderung von gastrointestinalen Problemen bewirkt werden können.  Zudem gilt es zu beachten: Intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von mehr als 100 ml innerhalb eines Zeitraums von 12 Stunden von jeglicher Substanz gelten als verbotene Methode, selbst wenn die verabreichte Substanz nicht verboten ist.

Literatur: McCormick et al. (2020) Refining Treatment Strategies for Iron Deficient Athletes. Sports Medicine 50(12):2111-2123.

Autorinnen: Sarina Kyburz & Dr. Joëlle Flück