Eine kürzlich erschienene Netflix-Serie mit dem Titel «You are, what you eat. A Twin Experiment» zeigte dokumentarisch auf, wie Zwillingspaare ihre Ernährung während 8 Wochen umstellten. Einer der beiden Zwillinge, blieb bei einer omnivoren Ernährungsweise und der andere Zwilling wechselte auf eine vegane Ernährung. Die Paare wurden während dieser Zeit von Kamerateams begleitet. Dabei wird auch ein Einblick gegeben in unterschiedlichen Tests, welche zu Beginn und am Ende von allen Teilnehmern absolviert wurden. Wieder einmal mehr greift Netflix dabei das Thema der veganen Ernährung auf. Mit einem Standford Professor wurde diese Dokumentation mit einer wissenschaftlichen Studie untermauert. Doch, was ist dran an dieser Studie?

Die vegane Ernährung hat in den letzten Jahren weiter an Popularität gewonnen. Dies vorwiegend, weil sie mit einer tieferen Umweltbelastung und den damit verbundenen Nachhaltigkeitsthemen beworben wird. Dies soll sich zudem positiv auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirken.

Bei einer veganen Ernährungsweise soll gemäss Studien die Zufuhr an Nahrungsfasern, Vitaminen und Mineralstoffen höher sein als bei der omnivoren. Gewisse Nährstoffe wie Vitamin B12, Eisen oder Kalzium sind dafür jedoch nur in geringeren Mengen vorhanden. Zusätzlich kann eine vegane genauso wie die omnivore Ernährung sehr viele hochverarbeitete oder energiedichte Lebensmittel enthalten. Es ist oftmals schwierig, Ernährungsweisen und deren Effekte auf unser Herz-Kreislauf-System zu vergleichen.

Die Twin-Studie hat sich zum Ziel gesetzt, den Einfluss einer veganen Ernährungsweise auf Parameter des Herz-Kreislauf-Systems zu untersuchen. Um die Komponente der Genetik auszuschliessen, wurde die Studie mit Zwillingspaaren durchgeführt. Dabei ernährte sich die eine Gruppe weiterhin omnivor und die andere wechselte auf eine vegane Ernährungsweise.

Methode

  • Parallel-Gruppen Design. Das Zwillingspaar wurde auf eine vegane und eine omnivore Gruppe aufgeteilt.
  • 22 Zwillingspaare (n=44, 34 Frauen, 10 Männer, Alter 39.6 ± 12.7 Jahre, BMI 25.9 ± 4.8 kg/m2)
  • Intervention: 8 Wochen vegane oder omnivore Ernährung davon 4 Wochen mit gelieferten Menüs und 4 Wochen als Selbstversorger
  • Primärer Outcome-Parameter: Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterol
  • Sekundäre Outcome-Parameter: Körpergewicht, Triglyceride und High-Density-Lipoprotein (HDL)-Cholesterol, Glukose, Insulin und Vitamin B12
  • Explorative Assessments inkludierten Ernährungsqualität und Einhaltung der Ernährungsstrategie.

Resultate

  • Signifikant Reduktion von LDL (-13.9 mg/dL), Insulin (-2.9 µIU/mL) und Körpergewicht (-1.9 kg) in der Gruppe der veganen Ernährungsweise
  • Reduktion des Vitamin B12 Levels (-103.0 pg/mL) in der Gruppe der veganen Ernährungsweise
  • Die Teilnehmer mit der omnivoren Ernährungsweise zeigten eine höhere Zufriedenheit der Ernährung
  • Energiezufuhr an der Baseline lag bei 1970 kcal/Tag.
  • Energiezufuhr: nach 4 bzw. 8 Wochen unterschied sich die Energiezufuhr der beiden Gruppen signifikant. Die vegane Ernährungsweise führte zu 1628 resp. 1688 kcal/Tag Energiezufuhr bei 4 resp. 8 Wochen. Die Omnivore Ernährungsweise zu 1815 resp. 1862 kcal/Tag.
  • Bei den Makronährstoffen lag die Proteinzufuhr rund 30 g tiefer in der veganen Ernährung. Dabei lag die tägliche Proteinzufuhr bei der veganen Ernährung bei 57.8 g/Tag. Dies entspricht 0.8 g/kg/Tag berechnet auf das Körpergewicht nach 4 Wochen Intervention. Bei der omnivoren Gruppe lag die Proteinzufuhr bei rund 88 g/Tag (entsprich 1.25 g/kg/Tag).
  • Die Kohlenhydratzufuhr war bei einer veganen Ernährung rund 25 g höher und die Fettzufuhr ungefähr 11 g tiefer.
  • Bei den Fettsäuren war der Anteil der gesättigten Fettsäuren 5 bis 8 g tiefer als bei der omnivoren Ernährung. Die Cholesterolzufuhr lag mit 13.4 mg im Vergleich zu 279.7 mg deutlich tiefer bei der veganen Ernährung.
  • Der Anteil der Nahrungsfasern war in der veganen Ernährung (33 g/Tag) höher im Vergleich zur omnivoren Ernährung (23 g/Tag).

Kommentar

Wenn man sich die Daten der Intervention im Detail anschaut, dann muss man sich fragen, wie die Daten überhaupt so publiziert werden konnten. Es lässt sich nämlich generell festhalten, dass die Energiezufuhr pro Tag rund 200 kcal niedriger war in der Gruppe der veganen Ernährung im Vergleich zur omnivoren Ernährungsweise. Weiter waren vor allem die Fettzufuhr wie auch die Proteinzufuhr reduziert.

Die Studie hat somit eine sehr grosse Limitation: die Ernährungsintervention (vegane Ernährung) und deren Kontrolle (omnivore Ernährung) waren weder isokalorisch noch waren die Makronährstoffe identisch. Das bedeutet, die Studie erlaubt keine Aussage zur Ernährungsweise, weil sie Äpfel mit Birnen vergleicht!

Durch die tiefere Zufuhr an gesättigten Fettsäuren sowie Cholesterol und die erhöhte Zufuhr an Nahrungsfasern, scheint es nicht erstaunlich, dass sich die LDL-Werte verbessert haben. Auch bei der Gewichtsreduktion scheint es sich um eine logische Folge einer verminderten Energiezufuhr (um 300 kcal/Tag bei der veganen Gruppe im Vergleich zur Baseline-Analyse) sowie eine Reduktion der Proteinzufuhr (von ca. 75 g auf 57 g) zu handeln. Man kann davon ausgehen, dass die Muskelmasse aufgrund der verminderten Proteinzufuhr abgenommen hat.

Aufgrund der unterschiedlichen Ernährungssituation der beiden Gruppen waren die Reduktion von Körpergewicht und die Verbesserung der kardiovaskulären Parameter durchaus so zu erwarten. Der Dokumentarfilm zeigte zudem, dass noch andere Parameter gemessen wurden (auch Daten zur Körperzusammensetzung) und dass die Teilnehmer ein Training absolvierten. Die Studie erwähnt beides in keinem Wort. Wenn das so gewesen wäre, würde dies a) noch mehr Informationen liefern (Bsp. zur vermuteten Reduktion der Muskelmasse) und b) die Studienresultate durch die Trainingsintervention beeinflussen. Alles in allem handelt es sich deshalb um eine Studie, die wohl viel Geld gekostet hat, aber wenig Aussagekraft mit sich bringt!

Literatur

Laundry et al. 2023 Cardiometabilic Effects of Omnivorous vs Vegan Diets in Identical Twins: A Randomized Clinical Trial, JAMA