Im Vorfeld der Olympischen und Paralympischen Spiele, welche nun im Jahr 2021 in Tokyo (Japan) stattfinden, sind die heissen Umgebungsbedingungen erneut ein Thema von grossem Interesse. So auch in der Sporternährung, wo gerade der Flüssigkeitshaushalt sowie die Zufuhr von Kohlenhydraten unter extrem heissen Bedingungen eine wichtige Rolle spielen. Die Experten der Sporternährung in Australien haben genau zu dieser Thematik nun ein Position Statement veröffentlicht, welches die Praxis der Sporternährung im Vorfeld von Tokyo 2021 vereinfachen soll.

Sportliche Belastungen unterliegen unter extrem heissen Bedingungen mehreren physiologischen Herausforderungen, welche der Körper zu bewältigen hat. So steigt beispielsweise die Körperkerntemperatur an und der Körper versucht diese generierte Wärme über eine erhöhte Schweissproduktion zu vermindern. So spielt nicht nur die Ernährung bzw. der Flüssigkeitshaushalt in der Hitze eine Rolle, sondern auch die Bekleidung und das Equipment in der jeweiligen Sportart, welches eben den Schweissabtransport fördert oder verhindert. Kann dieser Abtransport nicht stattfinden, so kommt es zu einem übermässigen Anstieg der Körperkerntemperatur, welcher im schlimmsten Fall in einem Hitzeschlag mit gefährlichen medizinischen Konsequenzen resultieren kann. Dieses Position Statement beschreibt nicht nur die Effekte der heissen Umgebungsbedingungen auf den Körper unter Belastung, sondern es fasst auch die möglichen Ernährungsmassnahmen zusammen, welche einen Hitzeschlag präventiv verhindern können.

Methode

Narrativer Review / Position Statement zum Thema Ernährung unter heissen Umgebungsbedingungen

Ergebnisse

  • Team Sport: grosse Unterschiede im Flüssigkeits- und Salzverlust zwischen den verschiedenen Spielern àindividuelle Strategien sinnvoll; bereitstellen von genügend Flüssigkeit und Kohlenhydraten während Trainings und Wettkämpfen in der Hitze, allenfalls Anwendung von ernährungsrelevanten Kühlstrategien (Bsp. Ice-Slurries, Hyperhydrierung, Mundspülungen), Risiko für Hitzeschlag aufgrund der hohen Intensität à Schulung des Team-Staffs zur Erkennung und Prävention von einem Hitzeschlag
  • Ausdauersport: Grosser Flüssigkeits- und Elektrolytverlust resultierend in extremer Dehydrierung möglich, gastrointestinale Probleme aufgrund erhöhter Flüssigkeits- und/oder Kohlenhydratzufuhr möglich àIndividuelle Verpflegungsstrategien planen und trainieren (Achtung: Logistik der Verpflegung), Kohlenhydratzufuhr auch unabhängig von Flüssigkeitszufuhr möglich à Adaptierbarkeit des Wettkampfernährungsplanes aufgrund anderer Gegebenheiten
  • Nachwuchsathleten: Reduzierte Schweisskapazität verglichen mit erwachsenen Athleten à vermehrter Einsatz von verdampfenden Kühlstrategien (Bsp. Ventilator) während Trainingseinheiten, Edukation im Bereich Flüssigkeitshaushalt und Nährstoffzufuhr, Möglichkeit zur Flüssigkeitszufuhr während der Trainingseinheit
  • Athleten auf Reisen: Reisen kann zu Müdigkeit und einem suboptimalen Flüssigkeits-/Ernährungsstatus führen à Einführen von Ernährungsmassnahmen während Reisen (Edukation), Anpassung der zeitlichen Mahlzeitenzufuhr und -zusammensetzung, Umsetzung der Ernährungsstrategien bereits während der Hitzeakklimatisierung bzw. -akklimatisation (Bsp. in der Hitzekammer)
  • Paralympische Athleten: Reduzierte Schweisskapazität aufgrund der Querschnittlähmung (Läsionshöhe beachten), verminderte Schweisskapazität aufgrund einer verminderten Hautfläche (Bsp. Amputation) àFlüssigkeitszufuhr angepasst auf Schweissverlust plus Anwendung alternativer Kühlstrategien (Bsp. Kühl-/Wasserspray bei tetraplegischen Athleten), allenfalls höhere Salzzufuhr, um Urinproduktion zu unterdrücken

Kommentar

Eine körperliche Betätigung in der Hitze bzw. das Erbringen von Leistungen unter erschwerten Bedingungen ist mit einem grossen körperlichen Stress verbunden und bedarf einer angepassten Ernährungsstrategie. Diese Strategien befassen sich mit der Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf, um den Hitzestress zu minimieren. Alle diese Interventionen sollen individuelle geplant, getestet und angewendet werden, um möglichst praktikabel sowie auf die Bedürfnisse des einzelnen Athleten bzw. der Sportart zugeschnitten zu sein.

Literatur

Cubbin et al. (2020). Sports Dietaitians Australia Position Statement : Nutrition for Exercise in Hot Environments. IJSNEM 30, 83-98