Das revidierte Positionspapier zur Ernährung im Sport entstand unter Federführung des American College of Sports Medicine. Im Vergleich zur 2009er Version wurden neue Aspekte hinzugefügt, die heute vielerorts noch nicht so richtig berücksichtigt werden. Das Positionspapier wird deshalb im Netz als historisch bezeichnet. Wir könnten auch von einer Revolution in der Sporternährung sprechen… 

Das American College of Sports Medicine (ACSM) ist die weltweit grösste Organisation in Sportmedizin und physische Aktivität. Sie deckt auch den Bereich der Sporternährung ab und veröffentlicht in unregelmässigen Abständen Stellungsnahmen – so genannte Positionspapiere – zur Ernährung im Sport. Das letzte Positionspapier stammt aus dem Jahr 2009. Eine grosse Erkenntnis der 2000er Jahre fand aber keinen Einzug in das 2009 Papier: die Notwendigkeit der Individualisierung von Empfehlungen.

Die Sporternährung ist komplex und mit jeder neuen Erkenntnis wird sie noch komplexer werden. In den letzten Jahren ist zum Beispiel klar geworden, dass die klassische Betrachtung der Energiebilanz nicht haltbar ist. (Bei gleicher Energiezufuhr, aber mit unterschiedlicher Verteilung der Makronährstoffe oder auch unterschiedlichem Zeitpunkt ihrer Einnahme induziert man unterschiedliche Energieverbrauche.) Auch können Trainingseffekte durch unkluge Nährstoffzufuhr unterdrückt werden. Bei unkontrollierter Zufuhr an antioxidativen Vitaminen oder Kohlenhydratzufuhr unmittelbar nach einem Training können die durch das Training induzierte biochemischen Reaktionen, die zu Trainingsverbesserungen führen, abgeschwächt oder gar blockiert werden. Letzteres stellt eine Herausforderung dar, da intensive Trainings nur mit ausreichend Kohlenhydraten möglich sind.

Die Lösung wäre die so genannte Periodisierung der Kohlenhydrate. Aber: eine Periodisierung macht nicht bei allen Sportler/innen Sinn. Dies Muss von Fall zu Fall sowie auf die akuten und langfristigen Zielen der Sportler/in abgestimmt werden. Im Englischen spricht man vom «Tailoring», dem Massschneidern von Empfehlungen.

Im Spitzensport wäre dieses Massschneidern ein Muss und die führenden Nationen arbeiten bereits dementsprechend. Das revidierte Positionspapier hat nun nicht nur die Individualisierung aufgenommen, sondern auch die Periodisierung:

Die Anforderung an die Ernährung ist nicht statisch […] Die Unterstützung durch die Ernährung muss periodisiert werden, unter Berücksichtigung der täglichen Trainings, die von leicht bis erheblich schwanken können […]

Ernährungspläne müssen individualisiert werden, damit die speziellen und einzigartigen Anforderungen von Athlet/in und Event berücksichtigt werden.

Das Positionspapier wird bereits jetzt aus diesen Gründen als historisch bezeichnet. In Zukunft muss die Sporternährung, zumindest auf hohem Niveau für den Spitzensport, individualisiert und periodisiert werden. Diese Notwendigkeit wird noch nicht von allen erkannt, was sich in häufige Fragen wie «Kannst du einen Ernährungsplan für Handball (oder irgendeinen anderen Sport) erstellen?» widerspiegelt.

Die Herausforderung liegt auf der Hand: Für eine periodisierte und individualisierte Umsetzung der Ernährung gibt es keine pauschalen Empfehlungen. Man muss die Umsetzung von Fall zu Fall unter Berücksichtigung der biochemischen und physiologischen Abläufe jedes Trainings jeweils neu herleiten. Während früher die Ernährung auf Trainingszyklen abgestimmt war mit ähnlichen Wochenplänen, braucht es bei einer periodisierten Umsetzung eine Planung auf Mahlzeitenniveau («from week-by-week planning, to day-by-day, to meal-by meal planning»).

Dies ist komplex und erfordert gute Kenntnisse sowohl der Ernährungs- wie auch Sportphysiologie. Aber genau dies macht den Reiz und die Schönheit der Sporternährung aus. Und die SSNS hat sich zum Ziel gesetzt, durch fundierte Informationen mit einem wachsenden Angebot an Dienstleistungen ihre Mitglieder schrittweise an ein international hohes Niveau der Sporternährung näherzubringen. Unsere Jahrestagung am 10. Juni in Nottwil verfolgt unter anderem mit dem Thema «Periodisierung der Kohlenhydrate» genau diese Philosophie. Es würde uns freuen, möglichst viele Mitglieder in Nottwil persönlich zu treffen.

Dr. P. Colombani, SSNS Präsident

Literatur

Nutrition and Athletic Performance. Med.Sci.Sports Exerc. 48: 543–568, 2016 (open access)