Supplemente werden nicht nur von Erwachsenen konsumiert. Auch im Nachwuchssport ist der Konsum von Supplementen verbreitet. Bisher gab es aber keine Daten dazu, wie das in der Schweiz aussieht. Eine gross angelegte Screeningstudie zeigt nun erstmals auf, wie viele und welche Supplemente im Schweizer Nachwuchsspitzensport konsumiert werden.
Gewisse Supplemente können bei korrekter Einnahme die Leistung direkt oder indirekt unterstützen. Gleichzeitig sind viele Supplemente auf dem Markt, welche keine wissenschaftliche Grundlage haben oder sogar schädlich sein können. Zudem spielt auf dem internationalen Supplementmarkt die Produktsicherheit eine Rolle. Regelmässig werden Produkte identifiziert, welche nicht deklarierte Inhaltsstoffe aufweisen und damit die Gesundheit gefährden oder zu unbeabsichtigten Dopingvergehen führen können. Daher ist es zentral, dass Athleten nur sinnvolle Produkte verwenden und diese zielgerichtet, individualisiert und sportartspezifisch einsetzen. Dies ist nur dann möglich, wenn sie über seriöse Informationsquellen bzw. gut ausgebildete Fachpersonen informiert werden.
Methode
- Studiendesign: Screening-Studie
- Zielpopulation: Nachwuchs-Leistungssportler im Alter von 16-18 Jahren des Swiss Olympic Talent Treffs in Tenero
- Befragung zum Supplementgebrauch (welche Supplemente und wie häufig) und wie sich die Sportlerinnen und Sportler über Supplemente informieren.
Ergebnisse
- Von 496 Athletinnen und Athleten haben 430 den Fragebogen ausgefüllt (87%) entspricht.
- Insgesamt haben 97% zumindest ein Supplement verwendet, wobei die Bandbreite des Supplementkonsums sehr breit war. Unter den Supplementkonsumenten wurden im Durchschnitt 7.8 verschiedene Produkte verwendet, wovon insgesamt 13.3 Portionen/Dosierungen pro Woche eingenommen wurden. Die 25./50./75. Perzentile lag bei 4.5/10.5/20.0 Portionen. 8.1% der Athleten haben über 30 Supplementdosierungen pro Woche eingenommen (Maximum: 67).
- Am häufigsten wurden Multimineral- und Multivitaminprodukte eingenommen.
- Die wichtigsten Gründe für die Einnahme von Supplementen waren: Unterstützung der Regeneration (40%), Unterstützung der Gesundheit / des Immunsystems (39%) und Unterstützung der Leistungsfähigkeit (30%).
- Empfohlen wurde der Supplementkonsum neben diversen weiteren Quellen am häufigsten von Familienangehörigen oder Freunden (36%), Ärzten (27%) und Trainern (25%). Diese Personengruppen dienten gleichzeitig als wichtigste Informationsquellen, zusammen mit dem Internet (25%) und Informationen, welche von den Supplementverkaufsquellen zur Verfügung gestellt wurden (11%).
- 2.8% bejahten die Frage, ob sie bereit wären Dopingsubstanzen einzusetzen, wenn sie wüssten, dass niemand davon erfahren würde. Die Beantwortung dieser Frage korrelierte dabei signifikant mit der Zielsetzung Supplemente zur Leistungssteigerung einzusetzen.
Kommentar
Die Studie ist bisher die weltweit grösste Untersuchung zum Supplementkonsum bei Nachwuchs-Leistungssportlern. Aufgrund der hohen Antwortrate scheinen die Resultate repräsentativ für den Supplementkonsum im Schweizer Spitzen-Nachwuchssport. Insgesamt 97% der Nachwuchssportler verwenden zumindest sporadisch Supplemente. Der Konsum erscheint aber sehr heterogen. Ein bedeutender Anteil der Athleten verwendet mehrere Präparate und nehmen diese auch regelmässig ein. Gleichzeitig ist auffällig, dass die meisten genutzten Informationsquellen oder empfehlenden Instanzen als fachlich nicht ausgebildet oder vertrauenswürdig einzustufen sind. Der teilweise hohe Konsum geht entsprechend mit einer ungenügenden Informationsqualität einher. Die Studienresultate decken sich dabei mit praktischen Erfahrungen in der Zielgruppe. Die Studienresultate unterstützen zudem die sogenannte Gateway-Hypothese, wonach ein hoher Supplementkonsum, insbesondere mit der Zielsetzung der Leistungssteigerung, mit einer positiveren Einstellung hinsichtlich der Verwendung von Dopingsubstanzen einhergeht.
Literatur
Hinterlassen Sie einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.