Erst wenige Studien haben die Effekte einer periodisierten Kohlenhydratzufuhr systematisch untersucht. Unklar waren bisher die Effekte einer sogenannten «Sleep-Low» Strategie auf die Leistung sowie deren Effekte auf die maximale Fettoxidationsrate. Die nachfolgende Studie versuchte deshalb, den maximalen Fettstoffwechsel und dessen Veränderung sowie die Leistung im Ausdauersport nach einer «Sleep-Low» Intervention zu beobachten.

Es ist bekannt, dass die verfügbaren Kohlenhydrate im Körper einen Einfluss auf die Ausdauerleistung haben. Da diese verfügbaren Kohlenhydrate über die endogenen Kohlenhydratspeicher begrenzt sind und nicht unendlich Kohlenhydrate während einer Belastung zugeführt werden können, werden bei Ausdauerathleten auch verschiedene Strategien zur Erhöhung des Fettstoffwechsels als alternative Energiequelle eingesetzt. Die sogenannte «Sleep-Low» Strategie versucht, die Leistung hochintensiver Belastungen durch genügend verfügbare Kohlenhydrate sicher zu stellen und nachfolgend eine Belastung ohne Wiederauffüllung der Kohlenhydratspeicher durchzuführen. Folglich werden am Abend nach einem hochintensiven Intervalltraining keine Kohlenhydrate zugeführt und am Morgen danach auf nüchternen Magen eine Ausdauereinheit mit tiefer oder moderater Intensität absolviert. Ob dadurch leistungsrelevante Effekte entstehen und ob sich auch die Fettoxidation verändert, wurde bisher nur in wenigen Studien untersucht.

Methode

  • Zwei Gruppen an je 9 Probanden (aufgeteilt nach VO2max), 1 Gruppe «sleep low» (Low-CHO) und 1 Gruppe mit normaler CHO Zufuhr (High-CHO)
  • Tag 1: HIT Training mit 10x5min bei 90% der maximalen Herzfrequenz (HIT), Tag 2: 75min bei 65-75% der maximalen Herzfrequenz (CON)
  • Low-CHO: 1.6 g CHO/kgvorHIT Training und 2 g CHO/kg nach Nüchterntraining
  • High-CHO: 1.6 g CHO/kg nachHIT Training und 2 g CHO/kg vor Nüchterntraining
  • 3 solche Trainingsblöcke pro Woche, 4 Wochen Dauer, 12 Trainingsblöcke gesamthaft
  • Vor und nach den 4 Wochen: Bestimmung maximale Fettoxidation und 30min Zeitfahren
  • Untersuchte Parameter: Triacylglycerol, Fettsäuren Konzentration, Glycerol, Plasma Glukagon, Plasma Glukose und Laktat, Serum Cortisol und Serum Insulin
  • Körperzusammensetzung vor und nach den 4 Wochen anhand DXA-Messung
  • Muskelbiopsie im M. Vastus lateralis und M. Quadrizeps femoris vor und nach 5 oder 6 Trainingsblöcken

Ergebnisse

  • Athleten mit VO2maxüber 55 ml/kg/min
  • Low-CHO: 6 Athleten, High-CHO: 7 Athleten mit kompletten Datensätzen
  • ~36% höhere Fettoxidationsrate währendCON in Low-CHO verglichen mit High-CHO
  • Jedoch keine Veränderung von Fatmaxbei low-CHO und High-CHO nachder Interventionsphase
  • Leistung im Zeitfahren verbesserte sich signifikant in beiden Gruppen (High-CHO: +14 %, Low-CHO: +19 %), kein Unterschied zwischen den Gruppen
  • Keine Veränderung der untersuchten Parameter der intramuskulären Lipolyse
  • Energiezufuhr während 4 Wochen war nicht signifikant unterschiedlich in beiden Gruppen (High-CHO: 41 ± 4 kcal/kg Körpergewicht/Tag; Low-CHO: 43 ± 8 kcal/kg Körpergewicht/Tag)
  • Keine signifikante Veränderung des Körpergewichts

Kommentar

Diese Studie zeigt keinen Vorteil einer 4-wöchigen «Sleep-Low» Intervention auf die maximale Fettoxidation sowie auf die Leistung in einem 30-minütigen Zeitfahren verglichen mit einer kohlenhydratreichen Ernährungsweise. Auch zeigte sich keine signifikante Veränderung der Körperzusammensetzung bzw. des Körpergewichts nach der Intervention. Dies widerspricht anderen publizierten Studien, welche eine solche «Sleep-Low» Intervention untersucht haben. Weitere Studien sind notwendig, um die offenen Fragen abschliessend zu klären.

Literatur

Riis et al. (2019) Acute and sustained effects of a periodized carbohydrate intake using the sleep-low model in endurance-trained males. Scand J Med Sci Sport (Epub ahead of print)