Bis heute wurden erst wenige Studien in der Sportwissenschaft mit weiblichen Studienteilnehmerinnen durchgeführt. Oft wird der Grund erwähnt, dass der Menstruationszyklus die zu untersuchenden Outcomeparameter beeinflussen könnte. Studien mit weiblichen Probanden sind deshalb aufwändiger in der Durchführung. Man nimmt an, dass Östrogenkonzentrationen die physiologischen Prozesse von muskulären Anpassungen beeinflusst. Studien an Tiermodellen unterstützten diese Theorie. Sind sie aber auch auf den Menschen übertragbar?  

Auf der Grundlage der oben genannten Theorie, wurde spekuliert, dass die Zyklushormone den Proteinabbau beeinflussen. Während der Lutealphase soll im Vergleich zur Follikelphase der Proteinabbau erhöht sein. Diese Annahmen basierte vorwiegend auf Untersuchungen der Ganzkörper-Aminosäurenoxidation. Ob solche Beobachtungen auch spezifisch für den Muskel gelten, blieb offen. Erst wenige Studien am Menschen untersuchten, inwiefern sich der Anstieg der Muskelproteinsynthese nach einer Trainingseinheit in den verschiedenen Zyklusphasen unterscheidet. Die Anzahl Probandinnen der durchgeführten Studien war gering, die Variabilität in den Hormonkonzentrationen gross und der Messzeitpunkt direkt nach dem Training nicht ideal. Dies Daten waren deshalb kaum ausreichend, um in Bezug auf das Krafttraining während dem Zyklus Empfehlungen auszusprechen. Das Ziel der vorliegenden Studie war, mit einer verbesserten Methodik, diese Untersuchungen zu wiederholen. Die Muskelproteinsynthese sollte nach dem Training in verschiedenen Zyklusphasen über einen längeren Zeitraum als in den Vorgängerstudien untersucht werden. Zudem sollen verschieden Methoden helfen, Aussagen in Bezug auf die anabole Antwort in den verschieden Zyklusphasen zu machen.

Methode

  • 12 gesunde, junge Frauen (19 ± 1 Jahr; 59.3 ± 5.1 kg, Zykluslänge: 31 ± 3 Tage) wurden rekrutiert.
  • Zwei Phasen von 6 Tagen Dauer wurden untersucht: während der späten Follikelphase (5 Tage vor angenommenem Eisprung) und Mitte Lutealphase (5 Tage nach dem Eisprung)
  • Muskelbiopsie und Blutentnahme wurden an Tag 1 und Tag 6 der jeweiligen Phase durchgeführt. An Tag 1 und 3 wurde zudem eine unilaterale Knieextension durchgeführt.
  • Serum Östrogen, Progesteron und Luteinisierendes Hormon wurden in beiden Phasen bestimmt.
  • Die Muskelproteinauf- sowie -abbaurate wurden ebenfalls in beiden Phasen analysiert.

Ergebnisse 

  • Die Blutserumhormonkonzentrationen in den beschriebenen Phasen verhielten sich wie erwartet. Trotzdem waren intraindividuelle Variation der Hormonwerte zu beobachten.
  • Die myofibrilläre Muskelaufbaurate in der Follikelphase lag bei 1.33 ± 0.27 %/h im Kontrollbein und 1.52 ± 0,27 %/h im trainierten Bein. In der Lutealphase betrugen die Werte 1.28 ± 0.27 %/h respektive 1.46 ± 0.25 %/h. Das Training bewirkte einen signifikanten Effekt auf die Muskelaufbaurate jedoch war kein Effekt zwischen den Phasen erkennbar.
  • Die Muskelproteinabbaurate war für den ganzen Körper in der Follikelphase 0.015 ± 0.005 und 0.022 ± 0.02 in der Lutealphase (p = 0.244).
  • In den gemessenen Metaboliten waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Zyklusphasen erkennbar.

Kommentar

Diese Studie hat die aktuell besten Methoden für die Untersuchung der Muskelproteinauf- bzw. -abbaurate sowie zur Bestimmung der verschiedenen Zyklusphasen angewendet. Dennoch konnte kein signifikanter Effekt weder auf die Muskelauf- noch auf die -abbaurate während den zwei Zyklusphasen festgestellt werden. Die ursprüngliche These, dass die Zyklushormone die anabole Antwort auf Krafttraining während des Menstruationszyklus beeinflussen, konnte nicht bestätigt werden. Aufgrund der vorliegenden Resultate gibt es keinen erkennbaren Grund das Krafttraining auf bestimmte Zyklusphasen auszurichten. Die Wirkung des Krafttrainings auf die Muskelauf- sowie -abbaurate scheint unbeeinflusst der fluktuierenden Zyklushormone zu sein.

Bei Frauen mit normal funktionierendem Menstruationszyklus kann deshalb nach dem Krafttraining die gleiche anabole Wirkung unabhängig der Zyklusphase erwartet werden.

Literatur

Colenso-Semple et al. 2024 Menstrual cycle phase does not influence muscle protein synthesis or whole-body myofibrillar proteolysis in response to resistance exercise. J Physiol