Die Verkaufszahlen von Nahrungsergänzungsmitteln steigen stetig. In Europa wurde damit im Jahr 2017 ein Umsatz von 1.2 Milliarden Euro erzielt. Es ist kein Geheimnis: auch im Sport werden Nahrungsergänzungsmittel rege eingesetzt, etwa die Hälfte der Sportler*innen konsumieren Multi-Vitamin-Mineral-Präparate (MVM) oder einzelne Mikronährstoffe wie Magnesium, Vitamin C, Eisen und Co. Ist der Bedarf an Mikronährstoffen bei Sportler*innen jedoch wirklich erhöht und brauchen Sportler*innen zusätzlich Präparate, um gesund und leistungsfähig zu sein?

Die Antwort gleich vorweg: eine chronische, präventive Einnahme von MVM hat keinen Einfluss auf die sportliche Leistung. Durch die erhöhte Energiezufuhr, die Verwendung von Sportnahrungsmitteln und den bewussten oder unbewussten Konsum andere mit Mikronährstoffen angereicherten Produkten (Müesli, Fruchtsaft, Süssgetränke, …), wird der Bedarf von Mikronährstoffen bei Sportler*innen in der Regel abgedeckt. Werden zusätzlich noch MVM Präparate konsumiert, kann eine Dosis erreicht werden, die über dem «upper level» der empfohlenen Tageszufuhr liegt.

Jedoch keine Regel ohne Ausnahmen:

Klinisch nachgewiesener Mangel

Wird bei einer Blutanalyse ein Mangel festgestellt, ist es wichtig diesen in Absprache mit dem*der Arzt*in mit einer entsprechenden Supplementierung zu korrigieren sowie allfällige Ursachen zu identifizieren und anzugehen.

Salty sweaters

Schweiss enthält verschiedene Mikronährstoffe, jedoch ist nur der Verlust an Natrium relevant. Die Schweissmenge ist abhängig von Dauer und Intensität der Leistung, Umweltfaktoren (Temperatur, Feuchtigkeit, Wind), Trainingsstatus (je besser trainiert, umso effizienter ist das Schwitzen) und der Körperzusammensetzung. Die Verluste sind zudem genetisch bedingt sehr unterschiedlich und variieren von 0.4-1.8 Liter pro Stunde. Auch der Salzgehalt im Schweiss variiert, und zwar um den Faktor 10. Die sogenannten «Salzschwitzer» verlieren über den Schweiss viel Salz. Diesen gilt es durch Sportgetränke, salzige Snacks oder ggf. mit Salztabletten auszugleichen. Meist zeigen sich bei «Salty Sweatern» weisse Salzspuren an der Kleidung.

Indoorsportler*innen / Sportler*innen im Winter

Vitamin D ist u.a. wichtig für den Erhalt der muskuloskelettalen Gesundheit, für die Knochenmineralisierung, die Zellteilung und das Immunsystem. Wir decken unseren Bedarf hauptsächlich über das Sonnenlicht und nur zu 10-20% mit Nahrungsmitteln. Im Winter oder bei Sportler*innen, die meistens in einer Halle trainieren, kann es schwierig werden, den Bedarf zu decken und eine Supplementierung kann vor allem in den Wintermonaten, sinnvoll sein.

Gewichtssensitive und ästhetische Sportarten

Bei gewichtssensitiven und ästhetischen Sportarten befinden sich die Sportler*innen meist auf einer Gratwanderung zwischen «zu viel» und «zu wenig». Das Risiko für einen Energie- und Mikronährstoffmangel ist erhöht. Regelmässige Kontrollen und ggf. Supplementierung sind angezeigt.

Gezielte Gewichtsreduktion:

Durch die reduzierte Energiezufuhr kann auch die Zufuhr an Mikronährstoffen reduziert sein. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen empfiehlt es sich, die Gewichtsreduktion gut zu planen und ggf. ein MVM-Präparat einzusetzen

Höhentrainingslager:

Höhentrainingslager haben zum Ziel, die Blutbildung verstärkt anzuregen, um leistungsfähiger zu werden. Der Trainingsumfang ist meist hoch, der Appetit in der Höhe oft reduziert. Darum ist es umso wichtiger das Trainingslager mit einem guten Mikronährstoffstatus zu beginnen und während dem Camp auf eine ausreichende Energiezufuhr und angemessenen Regenerationsmassnahmen zu achten. Es wird empfohlen den Eisenstatus mehrere Wochen VOR dem Lager zu überprüfen und wenn nötig zu optimieren. Gegebenenfalls ist eine Eisensupplementierung während dem Höhentrainingslager sinnvoll.

Trainingslager im Ausland

Auch in Trainingslagern im Ausland kann es zu einer ungenügenden Mikronährstoffzufuhr kommen: Ungewohntes Essen, veränderte und unregelmässige Essenszeiten, einzuhaltende Hygienemassnahmen (peel it, cook it or leave it) sowie begrenzte Verfügbarkeit und erschwerte Lagerung von Lebensmitteln. Es kann deshalb sinnvoll sein, zwei Wochen vor sowie während dem Trainingslager ein MVM-Präparat einzunehmen.

Spezifische Ernährungsformen:

Athlet*innen mit einer Laktoseintoleranz (cave Calcium), Vegetarier*innen (cave Eisen, Vitamin B12) und Veganer*innen (cave: Eisen, Vitamin B12, Calcium, Zink, Vitamin D, Jod) sollen ein besonderes Augenmerk auf ihre Mikronährstoffzufuhr legen und ggf. gezielt supplementieren.

Im Bereich der Mikronährstoffe geistern auch einige Fehlvorstellungen herum:

So ist nicht ein Magnesiummangel die Ursache von Krämpfen, sondern eine ungenügende Flüssigkeitszufuhr, ein Salzmangel, ungenügendes Aufwärmen oder eine ungewohnte neuromuskuläre Belastung.
Auch Vitamin C als Infektprophylaxe konnte in Studien nicht nachgewiesen werden. Wichtiger sind eine bedarfsdeckende Energiezufuhr, das Einhalten von Hygienemassnahmen und genügend Schlaf.

Vorsicht auch bei der Einnahme von Antioxidantien. Die durch das Training produzierten freien Radikale lösen Adaptationsprozesse aus. Werden diese durch supplementierte Antioxidantien neutralisiert, kann dies den Trainingseffekt reduzieren.

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