Zu tiefe Energieverfügbarkeit scheint bei Ausdauerathleten einen der wichtigsten Faktoren im Zusammenhang mit Verletzungen und Erkrankungen zu sein. Dennoch ist die korrekte Erfassung dieser Verfügbarkeit kompliziert und in der Praxis oft schwer zu durchzuführen.

Gerade bei Athletinnen ist die Energieverfügbarkeit und deren Auswirkungen auf die Hormone, Knochen, sowie auf die Verletzungsanfälligkeit sehr gut untersucht. Bereits einige wichtige Studien zeigten einen direkten Zusammenhang zwischen einer zu tiefen Energieverfügbarkeit und dem Auftreten von Knochenbrüchen, zu tiefer Knochendichte und dem Ausbleiben der Menstruation. Bei Athleten hingegen ist dieser Zusammenhang wissenschaftlich nicht oder nur spärlich untersucht worden. Diese Studie hat nun versucht, die Energieverfügbarkeit sowie auch andere Faktoren wie der Hormonstatus, die Knochendichte und das Auftreten von Verletzungen bei männlichen und weiblichen Ausdauerathleten genauer zu untersuchen.

Methode

  • Querschnittsstudie, Datenerhebung während 7 Tagen
  • 59 Athleten (22 Frauen mit normaler Menstruation, 13 Frauen mit unregelmässiger oder ausbleibender Menstruation, 14 Männer mit normalen Testosteronwerten und 10 Männer mit tiefen Testosteronwerten)
  • Mittel- und Langstreckenläufer/-geher von 800 m bis 50 km Gehen
  • Energieverfügbarkeit = (Energieaufnahme – Energieverbrauch) / Fettfreie Masse
  • Knochendichte, Körperzusammensetzung
  • Testosteron, Insulin, Schilddrüsenhormon
  • Befragung nach Verletzungen und Erkrankungen

Ergebnisse

  • Signifikant tiefere Knochendichte bei Frauen mit unregelmässiger oder ausbleibender Menstruation verglichen mit Athletinnen mit regelmässiger Menstruation
  • Häufigeres Auftreten von Knochenverletzungen bei Athletinnen mit ausbleibender Menstruation und bei Athleten mit tiefem Testosteronlevel
  • Signifikant tiefere Schilddrüsenhormonkonzentrationen bei den Frauen mit ausbleibender Menstruation und Männern mit tiefem Testosteronlevel

Kommentar

Auch bei Männern scheint die Energieverfügbarkeit in einem direkten Zusammenhang mit dem erhöhten Auftreten von Verletzungen und Erkrankungen zu stehen. Verschiedene Parameter wie die Testosteronkonzentration oder die Bestimmung der Schilddrüsenhormone und der Knochendichte können helfen, ein relatives Energiedefizit (RED-S) bei männlichen Athleten zu diagnostizieren. Generell wird empfohlen, nicht nur die Energieverfügbarkeit und den generellen Gesundheitsstatus der Athleten alleine zu bestimmen, sondern wenn immer möglich auch den Hormonstatus, die Menstruationsfunktion, sowie den Knochenstatus zu erheben.

Literatur

Heikura et al. (2017), Low energy availability is difficult to assess but outcomes have large impact on bone injury rates in elite distance athletes, Int J Sport Nutr Exerc Metab (Epub ahead of print)