Das Schwitzen ist eine wesentliche Einflussgrösse zur Bestimmung der Trinkmenge im Sport. Es erstaunt daher nicht, dass eine häufige Frage in der Praxis der Sporternährung das Schwitzen betrifft. Lässt sich die Schweissmenge aber überhaupt voraussagen?

Im Zeitalter der mobilen Digitalisierung sind viele Leute in jeder Situation mit dem Smartphone unterwegs. Dies ist beim Sporttreiben nicht anders und es gibt zahlreiche Apps mit mehr oder weniger sinnvollen Features zur Unterstützung der sportlichen Aktivitäten. Während Funktionen zur Erfassung der Trainingsdistanzen und -zeiten das Tagebuch führen erleichtern, muss man gewisse Features durchaus hinterfragen. Eine solche Funktion ist die Angabe zum Schweissverlust. Bei meiner letzten Biketour von 80 min mit 450 m Höhendifferenz und 20 °C Frühlingstemperatur soll ich 0.72 Liter geschwitzt haben. De facto waren es knapp 1.5 Liter. Gibt es aber überhaupt eine Möglichkeit zur Schätzung des Schweissverlustes? In der vorliegenden Studie wurde jedenfalls die Spannbreite der Schweissrate von über 500 Athleten zusammengetragen. Auch der Natriumgehalt im Schweiss wurde erfasst.

Methode

  • Retrospektive Analyse von Forschungen zum Schwitzen oder Dienstleistungen für Athleten am Sportwissenschaftlichen Institut von Gatorade
  • 506 Athleten, davon 367 Erwachsene und 139 Jugendliche (total 404 Männer und 102 Frauen)
  • Sportarten der Athleten: Football, Baseball, Basketball, Fussball, Tennis, Radfahren, Laufen, Triathlon u.a.
  • Umgebungstemperatur während der Belastung: 15-50 °C
  • Messung Schweissrate: Differenz aus Gewicht vor und nach der Belastung, korrigiert mit Flüssigkeitseinnahme und Harnverluste während der Belastung.
  • Analyse Natrium: Flammenphotometrie
  • Ganzkörperverlust Natrium: Hochgerechnet aus Na-Konzentration im Schweiss des Unterarmes, mittels üblicher Formel

Ergebnisse

  • Schweissrate absolut: 1.2 (Bereich: 0.3-5.7) L/h
  • Schweissrate relativ: 15 (Bereich: 3-70) mL/kg Körpermasse/h
  • Hochgerechneter Ganzkörper Verlust an Natrium: 36 (Bereich: 18-71) mmol/L
  • Natriumverlust entspricht Salzverlust von 2.1 (Bereich 1.0-4.0) g/L

Kommentar

Die riesige Spannbreite bei der Schweissrate von 0.3 bis 5.7 L/h spricht für sich. Und sie lässt sich nicht anhand irgendeiner Formel voraussagen. Sie ist extrem variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab wie die Intensität der Belastung, die Temperatur und relative Feuchte der Umgebung oder auch der aktuelle Hydrationsstatus. Die sinnvollste Methode zur Schätzung der Schweissverluste ist, wie in vorliegender Studie, die Gewichtsdifferenz unter Berücksichtigung der Flüssigkeitszufuhr und Harnverluste für eine bestimmte Art der Belastung bei gegebenen Bedingungen mittels Waage zu messen. Eine Anleitung hierzu gibt es bei unserem Trinkmengenrechner.

Interessant sind auch die Salzverluste von durchschnittlich 2 g pro Liter Schweiss (mit maximalen Werten von 4 g !), auch wenn sie aus einer Schätzung anhand des lokalen Schweissverlustes am Unterarm stammen. Würde man die generelle Empfehlung von maximal 5 g Salz pro Tag auch im Sport befolgen, so kann die Natriumzufuhr bei Athleten schnell einmal ungenügend werden. Eine salzbewusste oder gar salzarme Ernährungsweise ist daher im Sport nicht empfehlenswert. Zumindest nicht, wenn man regelmässig schwitzt.

Literatur

Baker LB, Barnes KA, Anderson ML, Passe DH, Stofan JR. Normative data for regional sweat sodium concentration and whole-body sweating rate in athletes. J.Sports Sci. 2016; 34:358–68.