Bei hohen Belastungsumfängen kann die Einnahme von Recovery Getränken die Erholung beschleunigen. Man ist etwas schneller wieder fit für die nächste Belastung. Inwiefern aber ein Recovery Getränk eine folgende Mahlzeit beeinflusst, war bislang nicht untersucht worden.

Zwölf junge Freizeitsportler mit normalem Essverhalten absolvierten geblindet drei Versuchsvarianten. Einziger Unterschied war das Recovery Getränk:

  • Placebo: Wasser mit etwas Zitronensaft, 15 kJ/500 mL
  • Protein: Placebo + 30 g Molkenproteinisolat, 530 kJ/500 mL
  • Kohlenhydrate: Placebo + 30 g Zucker, 530 kJ/500 mL

Nur einer der zwölf Männer konnte am Schluss des Versuchs die Getränke richtig zuordnen (sie wussten, dass es verschiedene Getränke gab, aber nicht wann welche). Die Belastung war 60 min radeln mit anständiger Intensität und wurde jeweils im Verlaufe des Morgens zwei Stunden nach einem standardisierten Frühstück durchgeführt. Der Vortag war ebenfalls bezüglich Essens und Trainings standardisiert.

60 Minuten nach dem Recovery Getränk wurde den Probanden Teigwaren mit Tomatensauce und Olivenöl offeriert und sie konnten davon so viel essen, wie sie wollten.

Ergebnis
Nach dem Protein Recovry Getränk assen die Probanden etwas weniger von den Teigwaren (Abbildung). Berücksichtigt man aber die kombinierte Energiemenge von Recovery Getränk plus Teigwaren, so war diese nicht signifikant unterschiedlich zwischen den drei Varianten.

Kommentar
Die „Angst“ bei einem Recovery Getränk ist, dass aufgrund Appetitreduktion die nächste Mahlzeit (zu) klein ausfällt und so insgesamt die Erholung schlechter ausfällt. Eine nicht auf Evidenz basierende Faustregel lautet daher: Kein Recovery Getränk, wenn es weniger als eine Stunde bis zur nächsten Mahlzeit dauert. Diese Studie liefert nun den Hinweis, dass die Faustregel zumindest nicht ganz verkehrt ist. Bei der Teigwaren Mahlzeit eine gute Stunde nach dem Recovery Getränk (das Getränk wurde 15 min nach Ende Belastung getrunken) wurde die Angst nicht bestätigt.

Ein nächster Schritt wäre nun, die Studie mit der ad libitum Mahlzeit nach 30 min zu wiederholen. Wenn das Ergebnis bezüglich gesamte Energieaufnahme (Getränk & Mahlzeit) wiederum gleich ausfällt, dann wäre die Angst praktisch vollständig unbegründet. Immer davon ausgehend, dass eine möglichst rasche Nährstoffzufuhr nach Ende Belastung die optimale Variante ist – was ebenfalls noch zu belegen ist…

Literatur
Clayton DJ, Stensel DJ, Watson P, James LJ. The effect of post-exercise drink macronutrient content on appetite and energy intake. Appetite 2014; 82C:173–179.