Bereits seit einiger Zeit wird ausführlich darüber debattiert, ob eine Ernährungsweise mit wenig bis keinen Kohlenhydraten und einem hohen Fettanteil bei Athleten eine Leistungssteigerung hervorrufen könnte. Die Wissenschaft ist sich nach wie vor noch nicht einig, wobei bereits einige Studien darauf hindeuten, dass die Leistung durch diese Ernährungsweise nicht gesteigert wird. Erst wenige Studien haben dies bei Ausdauerathleten untersucht. Diese Studie hat nun diese Ernährungsweise mit zwei anderen verglichen und die Leistung und die Ökonomie bei Gehern unter die Lupe genommen.

 Seit langer Zeit ist klar, dass Kohlenhydrate und Fette die beiden wichtigsten Energielieferanten für die sportliche Leistungsfähigkeit darstellen. So postulierten in den frühen 90er Jahre die Ernährungswissenschaftler, einen sehr hohen Anteil an Kohlenhydraten zu essen, um die Glykogenspeicher vor Wettkämpfen und Trainingseinheiten zu maximieren. Erst später wurden diese Guidelines angepasst und somit soll die Kohlenhydratzufuhr individualisiert und personalisiert bezüglich Dauer, Intensität und Art der Leistung angepasst werden. Im Gegensatz dazu wird bei einer Ernährungsweise mit tiefer Kohlenhydrat- und hoher Fettzufuhr der Transport, die Aufnahme und der Verbrauch von Fett im Muskel gesteigert und man nimmt an, dass damit die Ausdauerleistung begünstigt werden kann. Noch bleibt jedoch unklar, welche Ernährungsweise in Bezug auf die sportartspezifische Ausdauerleistung nun wirklich die richtige ist. Um die Thematik genauer zu untersuchen, wurde die vorliegende Interventionsstudie während drei Wochen bei Elite Gehern durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, welchen physiologischen Einfluss drei verschiedene Ernährungsweisen mit unterschiedlicher Kohlenhydratzufuhr auf die sportliche Leistung und die Ökonomie bei Gehern hat.

Methode

  • 21 gesunde, männliche Elite Geher wurden in je zwei Trainingslagern getestet
  • Drei isoenergetische Interventionsgruppen: Hohe Kohlenhydratzufuhr (HCHO) (8.6 g/kg/Tag CHO, n = 9), periodisierte Kohlenhydratzufuhr (PCHO)(alternierend zwischen tiefer und hoher Zufuhr, n = 10), tiefe Kohlenhydrat-, hohe Fettzufuhr (LCHF) (< 50 g/kg/Tag CHO, n = 10)
  • Drei Wochen Interventionsdauer, Tests davor und danach
  • Leistungstests: VO2peak und Gehökonomie, 10 km Wettkampf auf 400 m Bahn, standardisierter 25 km Test
  • Blutparameter: Keton- und Glucosekonzentration
  • Fettsäureoxidation und Sauerstoffaufnahme während dem 25 km Test

Ergebnisse

  • VO2peak in allen drei Gruppen signifikant erhöht nach der Intervention
  • LCHF: signifikanter Anstieg der totalen Fettoxidation und des Sauerstoffverbrauchs während dem 25 km Gehen, dadurch verminderte Ökonomie
  • HCHO und PCHO: verminderter Sauerstoffverbrauch bei wettkampfspezifischer Gehgeschwindigkeit, dadurch verbesserte Ökonomie
  • Signifikant verbesserte Leistung im 10 km Test bei HCHO (+ 6.6 %) und PCHO (+ 5.3 %), jedoch nicht bei LCHF (- 1.6 %)

Kommentar

Die Adaptation an eine Ernährungsweise mit tiefer Kohlenhydrat- und hoher Fettzufuhr führte zu einer Erhöhung der maximalen Sauerstoffaufnahme, jedoch zu keiner Verbesserung der Leistung über 10 km bei Elite Gehern. Durch die Ernährungsumstellung erhöhte sich zwar die Fettoxidation bei einer sportspezifischen Gehgeschwindigkeit, jedoch erhöhte sich auch die Sauerstoffaufnahme bei dieser Geschwindigkeit. Dadurch verschlechterte sich die Gehökonomie der Athleten bei Wettkampfgeschwindigkeit. Bei den anderen beiden Ernährungsweisen (HCHO und PCHO) zeigte sich eine Verbesserung der Wettkampfleistung über 10 km sowie eine Verbesserung der Gehökonomie bei 20 km Wettkampfgeschwindigkeit.

Literatur

Burke et al. Low Carbohydrate, High Fat diet impairs exercise economy and negates the performance benefit from intensified training in elite walkers. (2016) Journal of Physiology (Epub ahead of print)