Verletzungen im Profifussball sind häufig und haben erhebliche Auswirkungen auf die sportliche Leistung sowie die finanziellen Ressourcen von Vereinen. Eine optimale Ernährung ist ein grundlegender Bestandteil, um die Rehabilitation zu unterstützen, den Erhalt der fettfreien Masse zu fördern und die Heilung der verletzten Strukturen zu gewährleisten. Dennoch ist der tatsächliche totale tägliche Energiebedarf (TDEE) in verschiedenen Phasen der Rehabilitation bisher kaum direkt gemessen worden. Diese Fallstudie untersuchte mittels der Doubly-Labelled-Water-Methode (DLW) den TDEE bei Spielern der English Premier League (EPL) während der Rehabilitation. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Energiebedarf je nach Phase stark fluktuiert.

Der Profifussball ist durch hohe körperliche Belastungen geprägt, was zu einer hohen Inzidenz an Verletzungen der unteren Extremitäten führt. In der frühen Phase der Rehabilitation ist oft eine Immobilisation erforderlich, was zu Muskelatrophie und anaboler Resistenz führen kann. Der Erhalt der fettfreien Masse (FFM) und der körperlichen Fitness sind jedoch entscheidend für eine schnelle Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb. Bisherige Annahmen zum Energiebedarf während der Verletzungsphase waren oft spekulativ, da physiologische Heilungsprozesse den Grundumsatz erhöhen können, während die körperliche Aktivität sinkt. Zudem erhöht das Gehen an Krücken den Energieumsatz erheblich im Vergleich zum normalen Gehen. Ziel dieser Fallstudie war es, den TDEE, die Energieaufnahme und Veränderungen der Körperzusammensetzung bei zwei EPL-Spielern während spezifischer Rehabilitationsphasen präzise zu erfassen. Die Studie nutzt die DLW-Methode, um fundierte Daten für individualisierte Ernährungsstrategien zu liefern. Dies ist besonders wichtig, da eine unzureichende Energieverfügbarkeit die Wundheilung beeinträchtigen und die Ausfallzeit verlängern kann. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, den Ernährungsbedarf dynamisch an den Fortschritt der Rehabilitation anzupassen.

Methode

  • Fallstudie mit zwei männlichen EPL-Profis; Spieler 1 (22 Jahre, 193 cm, 93,7 kg) mit einer Hamstring-Verletzung (Grad 3c) und Spieler 2 (21 Jahre, 186 cm, 88,7 kg) nach einer Operation am Musculus rectus femoris (Grad 4c)
  • Totaler täglicher Energieumsatz (TDEE): Bestimmung über die Doubly-Labelled-Water-Methode (DLW). Den Spielern wurde eine orale Bolusdosis von Isotopen (Deuterium 2H und Sauerstoff 18O) verabreicht. Urinproben wurden über 14 bzw. 15 Tage gesammelt und mittels eines Laserspektrometer analysiert, um die Isotopeneliminationsraten zu bestimmen und TDEE zu berechnen.
  • Energieaufnahme (EI): Erfasst durch das Führen eines Fototagebuches kombiniert mit 24-Stunden-Recalls an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Spieler.
  • Körperzusammensetzung: Durchführung von DXA-Scans bei Spieler 1 zu Beginn und an Tag 14 (nüchtern, entleerte Blase, kein Sport 18h zuvor). Kein DXA bei Spieler 2 durchgeführt.
  • Spieler 1 (14 Tage): Vergleich von Woche 1 (frühe Rehabilitation) zu Woche 2 (gesteigerte Belastung).
  • Spieler 2 (15 Tage): Vergleich zwischen teilweiser Gewichtsbelastung (PWB) mit Krücken (Tag 1–10) und voller Gewichtsbelastung (FWB) ohne Krücken (Tag 11–15).
  • Supplementierung: Beide erhielten täglich 25 g Wheyprotein, 5 g Kreatin-Monohydrat, 30 ml Sauerkirschsaft, 2 g Omega-3-Fettsäuren und 500 mg Curcumin. Spieler 2 erhielt zusätzlich 15 g hydrolysiertes Kollagen und 500 mg Vitamin C.

Ergebnisse 

  • Spieler 1:
    • EI: Woche 1 =2617 kcal/Tag davon 2.7 g Protein/kg/Tag, Woche 2 = 3121 kcal/Tag davon 2.8 g Protein/kg/Tag;
    • TDEE: Woche 1 = 3143 kcal/Tag; Woche 2 = 4156 kcal/Tag,
    • Energiedefizit von ca. 526 kcal/Tag in Woche 1 und 1035 kcal/Tag in Woche 2.
    • Körpermasse reduzierte sich in Woche 1 um 0.5 kg und stieg in Woche 2 um 0.6 kg an.
  • Spieler 2:
    • EI: Woche 1 = 2498 kcal/Tag davon 1.8 g Protein/kg/Tag, Woche 2 = 2857 kcal/Tag davon 2.3 g Protein/kg/Tag;
    • TDEE: Woche 1 = 3175 kcal/Tag; Woche 2 = 3713 kcal/Tag (normale Trainingswoche mit 3 Spielen in 14 Tagen: 4546 kcal/Tag)
    • TDEE erhöhte sich um ca. 500 kcal/Tag von Partial Weight Bearing zu Full Weight Bearing.

Kommentar

Die Fallserie zeigt deutlich, dass der Energiebedarf während der Rehabilitation erheblichen Schwankungen unterliegt und mit fortschreitender Trainingsintensität rapide ansteigen kann. Besonders der Anstieg bei Spieler 1 in Woche 2 auf das Niveau eines Feldspielers im regulären Spielmodus unterstreicht, dass die energetischen Anforderungen oft unterschätzt werden. Die Diskrepanz zwischen selbstberichteter Energieaufnahme und den DLW-Daten deutet auf eine Untererfassung (Underreporting) hin. Dennoch kann ein Defizit trotz hoher Proteinzufuhr den Muskelabbau beschleunigen und die Gewebereparatur verzögern. Die FFM im verletzten Bein von Spieler 1 konnte weitgehend erhalten werden, was für die Wirksamkeit des Trainings und der Supplementierung spricht, während die Abnahme im nicht-verletzten Bein auf Detraining-Effekte der dominanten Seite hindeutet. Die Studie ist durch die kleine Stichprobengröße und fehlende Hydratationsdaten limitiert. Zudem scheint der Beobachtungszeitraum sehr kurz vor allem in Bezug auf Veränderungen der Körperzusammensetzung. Insgesamt ist eine dynamische und individualisierte Ernährungsplanung unerlässlich, um den Heilungsprozess im Profifussball optimal zu unterstützen

Literatur

Foo, W.L., et al. (2026) Energy requirements of injured soccer players: a doubly labelled water case series from the English Premier League. Perform. Nutr.