Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport ist weit verbreitet. Die Anwendung erfolgt meist mit dem Ziel einer allgemeinen Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit (z.B. Behandlung eines Eisenmangels) oder dem Wunsch nach einer Erhöhung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit (z.B. Sportgetränk während des Wettkampfs). Nicht selten ist jedoch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch von gewissen Nahrungsmitteln problematisch und kann zu einer – wenn auch unbeabsichtigten – positiven Dopingprobe und somit einer entsprechenden Sperre von Athleten*innen führen. Der hier diskutierte Übersichtsartikel befasst sich mit potenziellen Gefahren und Konsequenzen, welche die Einnahme verunreinigter Nahrungsergänzungs- und Nahrungsmittel nach sich ziehen.

Vielen Anwendern*innen ist nicht bewusst, dass die Einnahme gewisser Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel sowohl gesundheitliche Risiken, als auch die Gefahr einer positiven Dopingprobe nach sich ziehen kann. Da das Prinzip der sog. „strict liabilty“ gilt, ist jede*r Athlet*in selbstverantwortlich für sein/ihr Handeln. Im Falle der Einnahme von verunreinigten Nahrungsergänzungs- und Nahrungsmitteln ist es oft sehr schwierig, die Unschuld nachzuweisen und eine Sperre abzuwenden. Dieser Artikel weist auf entsprechende Stolpersteine hin, welche nachfolgende etwas genauer ausgeführt und diskutiert werden.

Methode

  • Narrative Review mit dem Ziel, das aktuelle Wissen und die Relevanz verunreinigter Nahrungsergänzungs- und Nahrungsmittel aufzuzeigen.
  • Suche nach möglichen Risiken, Quellen und Verhaltensmassnahmen, um das Risiko einer unbeabsichtigten Verletzung der geltenden Doping-Richtlinien auf ein Minimum zu reduzieren

Ergebnisse

  • Unerwünschte Verunreinigungen können auf verschiedenen Wegen in Nahrungsergänzungsmittel und somit unseren Körper gelangen: Häufig ist die sogenannte „Cross-Contamination“ bei der Herstellung, aber auch das bewusste Beifügen verbotener Substanzen (insbesondere Anabolika oder Stimulantien), welche jedoch auf der Verpackung nicht deklariert werden.
  • Auch in gewissen, scheinbar unproblematischen und erlaubten Medikamenten fanden sich unerlaubte Substanzen (z.B. das Diuretikum Hydrochlorthiazid), welche auf eine unsachgemässe Herstellung und „Cross-Contamination“ zurückgeführt werden konnten
  • Vorsicht ist auch bei der Einnahme von pflanzlichen und tierischen Produkten, welche auch oft in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Anwendung finden, geboten.
  • In vielen asiatischen Ländern, aber auch z.B. in Mexiko, werden Anabolika flächendeckend zur Tiermast verwendet. Diese Substanzen sind im Urin nach Verzehr solcher Fleischerzeugnisse zu finden und führen zu einer Verletzung der geltenden Antidoping-Bestimmungen.
  • Auch die Einnahme von z.B. Mohnsamen/Mohnkuchen kann zu einer positiven Dopingprobe führen.

Kommentar

Aufgrund von verunreinigten Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln kann es zu einer positiven Dopingprobe kommen. Daher ist es wichtig, dass – falls überhaupt Supplemente eingesetzt werden – auf seriöse Hersteller und Produkte zu setzen bzw. eine entsprechende Fachperson beizuziehen. Von Bestellungen via Internet (v.a. wenn nicht direkt vom Produzent bestellt) ist dringend abzuraten. Auch wenn so das Risiko einer möglichen Kontamination nicht zu 100% ausgeschlossen werden kann, lässt es sich doch reduzieren.

Literatur

Walpurgis et al. (2020) Dietary supplement and food contaminations and their implications for doping controls. Foods 9, 1012; doi:10.3390/foods9081012