Als Auslöser für belastungs-bedingte Muskelkrämpfe werden oft Dehydratation und/oder Elektrolytverluste diskutiert. In diesem Zusammenhang untersuchte eine kürzlich erschienene Multizenterstudie, ob anhand der Schweissrate sowie der Schweisszusammensetzung zwischen Athleten mit Neigung zu Muskelkrämpfen (sog. «Cramper») und krampf-resistenten Athletinnen («Noncrampers») unterschieden werden kann.
Verschiedene Faktoren scheinen die Entstehung von belastungs-induzierten Muskelkrämpfen zu begünstigen. Dehydratation und schweissbedingte Elektrolytverluste stehen dabei weit oben auf der Liste der diskutierten, möglichen Auslöser. Mehrere Studien untersuchten zwar den Zusammenhang zwischen Schweissverlusten und Muskelkrämpfen, fanden dabei aber kontroverse Resultate, wobei jeweilsmeist nur Männer untersucht wurde. Die vorliegende Studie beleuchtete, ob sich Athleten/innen die zu Muskelkrämpfen neigen («Crampers») im Vergleich zu krampf-resistenten Athleten/innen («Noncrampers») bezüglich Schweissrate und Elektrolyteigenschaften unterscheiden und ob dadurch das Auftreten von Muskelkrämpfen allenfalls vorhergesagt werden könnte. Gleichzeitig wurden die Schweiss-Charakteristika von Männern und Frauen in verschiedenen Sportarten untersucht.
Methode
- Studienteilnehmer: 350 (204 Männer/146 Frauen) Divison I College Athleten aus 11 verschiedenen Sportarten
- Männer: Alter: 20 ± 1 y; Grösse: 186 ± 9 cm, Gewicht: 97 ± 22 kg / Frauen: Alter: 19 ± 1 y; Grösse: 170 ± 9 cm, Gewicht: 70 ± 11 kg
- Einteilung in «Crampers» (153 Männer/92 Frauen) und «Noncrampers» (51 Männer/54 Frauen) anhand eines Fragebogens
- Bestimmung des individuellen Schweissverlusts sowie der Elektrolytzusammensetzung ([Na+], [K+], [Cl–]) im Schweiss während einer typischen Trainingseinheit
Ergebnisse
- Männer (1.39 ± 0.61 L/h) mit signifikant höherer Schweissrate als Frauen (0.84 ± 0.42 L/h)
- Männer mit signifikant höheren Elektrolytkonzentrationen im Schweiss im Vergleich zu Frauen: [Na+]: 45 ± 13 vs. 36 ± 12 mmol/L; [K+] 5.1 ± 1.3 vs. 3.9 ± 0.8 mmol/L, [Cl–] 52 ± 2 0 vs. 44 ± 19 mmol/L
- Innerhalb eines Geschlechts keine Unterschiede bezüglich Schweissrate sowie dem Elektrolytgehalt von [Na+], [K+] und [Cl–] zwischen «Crampern» und «Noncrampern» feststellbar
- Einzig bei American Footballern konnten „Carmpers“ anhand der Schweissrate und der Schweisszusammensetzung identifiziert werden; bei allen anderen untersuchten Sportarten Baseball, Basketball, Leichtathletik, Wrestling, Feldhockey, Fussball, Gymnastik, Softball, Tennis, Volleyball) ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen „Crampern“ und „Non-Crampern“
- Generell signifikante Unterschiede bezüglich Schweissraten und Elektrolytzusammensetzung des Schweisses in Abhängigkeit der Sportarten und des Geschlechts
Kommentar
Bei der Entstehung von Muskelkrämpfen scheinen neurologische Faktoren offenbar eine wichtigere Rolle zu spielen als Flüssigkeits- oder Elektrolytverluste. Allerdings muss beachtet werden, dass die einzelnen Trainingseinheiten typischerweise zwischen 30 und 120 min dauerten. In diesem Zeitraum sind die erwarteten Flüssigkeits- und Elektrolytverluste verglichen mit z.B. Ausdauerbelastungen wie Ironman deutlich weniger ausgeprägt. Die Messung der erwähnten Parameter kann allenfalls vereinzelt (z.B. American Football) zur Unterscheidung von «Crampern» und «Noncrampern» herangezogen werden. Dennoch sollte der Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr die nötige Beachtung geschenkt werden. Im Idealfall sollte dies individuell, sportart- und geschlechtsspezifisch sowie den persönlichen Voraussetzungen und Umgebungsbedingungen angepasst, erfolgen.
Literatur
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