Koffein gilt schon seit langem als eines der wenigen Supplementen mit Potential zur Leistungssteigerung. Die Nutzung von purem Koffein ist aber in der Praxis schwierig. Wesentlich einfacher wäre es daher, wenn man mit Kaffee den gleichen Nutzen erzielen könnte.
Koffein hat im Sport eine einzigartige Stellung. Es ist die einzige Substanz, die in Nahrungs- oder Genussmitteln vorkommt, auf der Dopingliste war und wieder von dieser entfernt wurde (seit dem 1. Januar 2004). Koffein kann die sportliche Leistung über ein breites Spektrum an Belastungen verbessern, hilft aber im Gewichtsmanagement mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht direkt über eine erhöhte Oxidation der Fettsäuren. Eine wesentliche Quelle von Koffein ist Kaffee und es wäre in der Praxis viel angenehmer (und schmackhafter…), wenn Kaffee den gleichen Nutzen hätte wie pures Koffein.
Die frühere Meinung war eindeutig: Während Koffein die Ausdauerleistung häufig verbessert, so bleibt diese Verbesserung beim Kaffee aus, selbst wenn es die gleiche Menge an Koffein enthält. Diese Meinung basierte aber nur auf einer Studie aus dem Jahre 1998 (1). Auch wenn in dieser Studie sehr gut ausdauertrainierte Leute untersucht wurden, war der Leistungstest nicht ideal für eine Aussage zur Leistungsfähigkeit. Es handelte sich um einen… Ovomaltine-Test. Es ging nicht darum, ob die Leistung besser wurde, sondern ob sie länger aufrechterhalten konnte. (Für die Nicht-Schweizer: Die Werbung zum Schokoladengetränk Ovomaltine hat das Leitmotiv: „Mit Ovomaltine kannst du es nicht besser, aber länger“.) Unterdessen wurden mehrere Studien über die Wirkung von Kaffee als Leistungsförderer durchgeführt und Ende letzten Jahres erschien zum ersten Mal eine Zusammenfassung dieser Studien.
Einschlusskriterien für die Zusammenfassung
- Studien an Menschen
- Einsatz von Kaffee spätestens 45 min vor der Leistung
- Bekannte Menge an Koffein im Kaffee
- Echter Leistungstest oder Ovomaltine-Test (also beides, bessere oder längere Leistung)
Ergebnis
- 9 Studien, Koffeingehalt im Kaffee von 3.0 bis 8.1 mg/kg Körpergewicht
- In 5 Studien Leistungsverbesserung mit Kaffee, in 4 Studien keine Verbesserung
- In 6 Studien wurde zudem die subjektive Belastung ermittelt, in 3 davon war sie geringer mit Kaffee
Kommentar
Die Ergebnisse sind genauso, wie man sie nicht haben will: Gemischt und ohne klare Gründe, weshalb sie nicht klar sind. Zumindest scheint es so, dass mit Kaffeetrinken vor einer sportlichen Leistung diese nicht schlechter wird.
Mit Koffein sind die Ergebnisse in der Regel klarer und ein Koffeineinsatz für eine bessere (Wettkampf)Leistung daher immer ein Gedanke Wert. Wenn der Einsatz von purem Koffein – über Tabletten oder in Shots – zu mühsam ist, kann man es mit Kaffee als Alternative versuchen. Bei beiden Varianten ist die Bestimmung der genauen Koffeinmenge schwierig, da die Dosierung in Bezug auf die Körpermasse erfolgen sollte. Auf jeden Fall ist aber der Einsatz von Kaffee oder Koffein auf seine Verträglichkeit zu testen. Wenn akut keine Beschwerden auftreten und man das Gefühl hat, die Leistung ist danach besser, ist der Einsatz von Kaffee oder Koffein sicherlich keine schlechte Idee.
Literatur