Läuferinnen und Läufer sollen je nach Laufstil unterschiedliche Eisenverluste haben. Fersenläufer mit einer stärkeren mechanischen Belastung des Fusses hätten höhere Verluste als Vorfussläufer. Ist dies reine Theorie oder Realität?
Die Footstrike Hämolyse wird immer wieder als Grund für einen höheren Eisenverlust im Laufsport genannt. Beim Aufsetzen der Ferse während des Laufens sollen Blutkörperchen zerquetscht werden, die sich gerade in den Blutgefässen der Ferse befinden. Dabei soll das eisenhaltige Hämoglobin freigesetzt werden und das Eisen verloren gehen.
Bei Vorfussläufer/innen sind die mechanischen Kollisionskräfte beim Aufsetzen des Fusses geringer als bei Fersenläufern. Somit wäre es denkbar, dass bei Vorfussläufern weniger rote Blutkörperchen zerquetscht würden und Vorfussläufer daher weniger Eisenverluste hätten. Bei geringeren Verlusten könnten die Eisenspeicher besser sein. Ob diese Hypothese der Realität entspricht, wurde kürzlich untersucht.
Methode
- 19 gut ausdauertrainierte Männer (VO2 max ca. 70 mL/kg/min, 10 km Bestzeit: 35 min)
- 1 Gruppe Fersenläufer, 1 Gruppe Vorfussläufer
- Laufband-Test: 8x 3 min bei 90 % VO2max, mit je 90 s Gehen dazwischen
- Überprüfung des Laufstils mit Video
- Messung von Haptoglobin im Blut vor und nach dem Test (Marker für Hämolyse)
- Messung von Ferritin vor dem Test
- Studie ganz anständig durchgeführt
Ergebnis
- Haptoglobin im Blut sank nach dem Intervall-Test auf dem Laufband (entspricht erhöhter Hämolyse)
- Aber kein Unterschied zwischen Vorfuss- und Fersenläufern
- Auch kein Unterschied im Ferritingehalt vor dem Test
Kommentar
Die Studie gibt ein paar Antworten, lässt aber viele Fragen offen. Ein Anstieg der Hämolyse beim Laufen erfolgt wirklich und sie ist nicht wesentlich vom Laufstil beeinflusst. Dies ist schon fast das Einzige, das klar ist. Dass sowohl Vorfuss- wie auch Fersenläufer einen ähnlichen Ferritingehalt hatten, lässt keinen klaren Schluss zu. Es wurde zwar nach der Ernährung gefragt – sie war ähnlich in beiden Gruppen – aber es wurden keine Angaben zur Einnahme von Eisen Präparaten gemacht. Es wurde auch nicht gemessen, ob die erhöhte Hämolyse auch zu einem grösseren Verlust an Eisen führt. Eisen wird zwar aus den roten Blutkörperchen verloren. Dann werden die zerquetschen Blutkörperchen und das Eisen vermutlich von den Makrophagen «gefressen». Die Frage ist, kommt das Eisen wieder aus den Makrophagen raus und steht dem Körper wieder zur Verfügung. Es gibt Vermutungen, dass dies nicht der Fall ist, da eine intensive Belastung den Eisentransporter zerstört, der für den Austritt des Eisens aus den Makrophagen zuständig ist. Somit wäre das Eisen immer noch im Körper (in den Makrophagen), aber nicht wirklich verfügbar. Dieser Vorgang kann aber nicht unendlich ablaufen, da in Makrophagen kaum unendlich Platz für Eisen vorliegt. Mit anderen Worten: Es gibt noch diverse offene Fragen zum Eisenstoffwechsel im Laufsport.
Literatur