Koffein, Kaffee und Grüntee werden immer wieder mit dem Versprechen eines erhöhten Fettabbaus beworben. Dieser Claim ist für Koffein und Kaffee durch keine solide Evidenz gestützt und bislang galt dies zumindest teilweise auch für Grüntee(-Extrakt). Die Situation hat sich nun etwas geändert. Oder doch nicht?
Der Einfluss von Grüntee-Extrakt (GTE) auf den Fettstoffwechsel ist bereits mehrfach untersucht worden. Das Gesamtbild ist gemischt. Sowohl kein Einfluss auf den Fettstoffwechsel, leicht erhöhte Fettsäureoxidation während Belastung und gering grösserer Fettabbau wurden beobachtet. Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse sind wohl – wie so oft – in den unterschiedlichen Studiendesigns zu suchen (verschiedene GTE Mengen unterschiedlich lang eingenommen, unterschiedliche Belastungstests, verschieden trainierte Probanden etc.). Die vorliegende Studie wird sicherlich für die Vermarktung von GTE zitiert werden, sie liefert aber kaum eine solide neue Erkenntnis.
Methode
- Doppelblind, Placebo-kontrolliert, parallel
- 14 freizeitaktive junge Männer, bescheiden ausdauertrainiert (VO2max ca. 40 mL/kg/min)
- Körperfettgehalt rund 16 %, mit Bio-Impedanz „gemessen“ (also Fettgehalt eher geschätzt…)
- 4 Wochen Dauer: 7 Männer mit Grüntee-Extrakt (GTE; täglich 400 mg Epigallocatechin-3-Gallat), 7 Männer mit Placebo
- Während 4 Wochen: 3x pro Woche 60 min Fahrradfahren bei 50 % VO2peak
- Nach 4 Wochen: Oxidation von Kohlenhydraten und Fett während 60 min Fahrradfahren bei 50 % VO2peak mittels indirekter Kalorimetrie
Ergebnis nach 4 Wochen mit GTE
- Fettoxidation während submaximalem Fahrradfahren von 0.24 g/min auf 0.30 g/min erhöht (keine Veränderung bei Placebo)
- Körperfettgehalt 1.7 % gesenkt (0.7 % gesenkt bei Placebo)
Kommentar
Die eingesetzte Katechinmenge war mit rund 400 mg/d eher hoch. Sie entsprach nach Autorenangabe täglich 6-7 Tassen Grüntee. Aber auch wenn eine nennenswert höhere Fettsäureoxidation während des moderat intensiven Fahrradfahrens nach GTE Gabe resultierte, so muss die leicht stärkere Reduktion des Körperfettgehalts mit gesunder Skepsis betrachtet werden. Bio-Impedanz ist einerseits nicht das Mass der Dinge beim Messen des Körperfettgehalts und ein Unterschied von 1 % beim Abbau des Körperfetts wäre sogar bei einer DXA Messung mit Vorsicht zu geniessen. Denn die Messungenauigkeit beim Körperfett dürfte selbst beim DXA mehr als 1 % betragen. Somit liefern die Ergebnisse dieser Studie nichts wirklich Neues. Das Gesamtbild bleibt gemischt.
Literatur