Wenn die Autoren einer Studie aus sieben unterschiedlichen Institutionen aus fast ebenso vielen Ländern stammen, dann kann man einiges erwarten. Und wenn es sich um Protein dreht, Prof. Stuart Phillips mit von der Partie war und die Studie im Medicine & Science in Sports & Exercise veröffentlicht wurde, dann erst Recht.
Die Proteinzufuhr nach einer sportlichen Belastung wird meist im Zusammenhang mit Krafttraining genannt und entsprechend wurden hierzu die meisten Untersuchungen durchgeführt. Eine optimierte Proteinsynthese in der Muskulatur ist aber auch für die Adaptation nach einem Ausdauertraining von zentraler Bedeutung. Aufgrund der geringeren Anzahl an Studien ist jedoch die optimale Proteinmenge nach einem Ausdauertraining noch unklar. In der vorliegenden Studie wurde nun ein grosser Schritt zu ihrer Ermittlung getan.
Studiendesign
Zwölf ganz anständig ausdauertrainierte Männer (VO2max: 60 mL/kg/min) absolvierten drei Versuchsvarianten, während denen sie drei Getränke in den ersten 90 min einer vierstündigen Erholungsphase einnahmen (aufgeteilt in vier Portionen à 300 mL):
- Kontrolle: 0 g Protein, 0 g Leucin, 274 g Kohlenyhdrate, 30 g Fett (ca. 5800 kJ)
- Viel Leucin: 70 g Protein, 15 g Leucin, 180 g Kohlenyhdrate, 30 g Fett (ca. 5700 kJ)
- Wenig Leucin: 23 g Protein, 5 g Leucin, 180 g Kohlenyhdrate, 30 g Fett (ca. 4700 kJ)
Das Protein war ein Gemisch aus Milchproteinkonzentrat und Molkenprotein, das Ausdauertraining bestand aus 100 min intensivem Intervalltraining auf dem Fahrrad und es wurde knapp mehr als drei Stunden nach einer Hauptmahlzeit durchgeführt. Somit war das Design realitätsnah (während die meisten Studien mit nüchternen Probanden durchgeführt werden und so nur beschränkte Aussagekraft haben).

Wichtigste Ergebnisse
- Es wurde im myofibrillären Protein der Beinmuskulatur nach 4 h Erholung in allen drei Varianten eine erhöhte Synthese beobachtet. (Also: Auch ein Ausdauer-Intervalltraining führt zu einem Anstieg des Muskelproteins.)
- Die myofibrilläre Proteinsynthese war in beiden Protein/Leucin-Varianten rund 30 % höher als in der Kontrolle. Die Variante mit rund dreimal mehr Protein/Leucin (70 g/15 g vs. 23 g/5 g) führte zu keiner nennenswert höheren Proteinsynthese.
Schlussfolgerungen
Wie beim Krafttraining wurde auch hier gezeigt, dass etwas Protein/Leucin die Synthese des Muskelproteins unterstützt, viel Protein/Leucin aber nicht besser ist. Trotz des ziemlich anderen Stimulus der Muskulatur im Vergleich zum Krafttraining scheint also beim Ausdauertraining zumindest bei der Proteinmenge, um die Synthese des Muskelproteins nach einem Training optimal zu unterstützen, kein nennenswerter Unterschied zu bestehen.
Generell ist jedenfalls festzuhalten, dass sowohl nach Kraft- wie Ausdauertraining das Protein keine riesige Erhöhung der Proteinsynthese verursacht. Es ist vielmehr eine Unterstützung der Prozesse, die durch das Training induziert werden. Ohne anständiges Training brauchen wir daher gar nicht ans Protein zu denken…
Literatur
Rowlands DS, Nelson AR, Phillips SM et al. Protein-Leucine Fed Dose Effects on Muscle Protein Synthesis After Endurance Exercise. Med.Sci.Sports Exerc. 2014:in press.