Magnesium wird im Sport immer wieder im Zusammenhang mit Krämpfen diskutiert. Da dort der vermutete Link eine bessere Muskelkontraktion ist, wird konsequenterweise Magnesium auch als möglicher Leistungsförderer ins Spiel gebracht.
Abgesehen von einem etwas seltsamen Fallbeschrieb, gibt es keine Belege für den Zusammenhang zwischen Krämpfen und Magnesiumstatus bei Sportler/innen. Der Fall ist aber so kurios, dass man ihn sich anschauen sollte (1). Vor etwas mehr als 30 Jahren hatte eine 24 Jahre alte Tennisspielerin oft Krämpfe nach der Arbeit auf dem Tennisplatz. Sie spielte dabei mindestens 5 bis 6, oft bis zu 10 Stunden pro Tag. Zusätzlich ging sie oft schwimmen. Ihre Krämpfe verschwanden nach Einnahme von täglich 500 mg Mg-Gluconat.
Ein kausaler Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Krämpfen ist aber kaum wahrscheinlich, da Magnesium in so vielen Stoffwechselreaktionen eine Rolle spielt, dass ein Magnesiummangel den gesamten Stoffwechsel beeinflussen müsste.
In der vorliegenden Studie geht es aber um die Leistung nach Magnesium Supplementen im Volleyball (2).
Methode
- 25 professionelle Volleyballspieler trainiert (Schnitt: 17-18 J., 6 h Training pro Tag)
- Doppelblind, teilrandomisiert. Hälfte Mg-Supplement, Hälfte Placebo; kein Crossover
- Für Statistik: Spieler gepaart gemäss ähnlicher Mg-Ausscheidung im 24 h Harn
- Supplementierung mit 350 mg/d für 4 Wochen während normalem Training
- Diverse Krafttests, biochemische Parameter
Ergebnis
Kein Unterschied zwischen beiden Gruppen
- …im Mg-Gehalt im Plasma, in Erythrozyten und im Harn
- …bei Krafttests der Oberschenkelmuskulatur
- …beim Squat Jump, Countermovement Jump, knapper Unterschied im Countermovement Jump mit Armschwung
Kommentar
Wer das Abstract der Studie liest, wird einen anderen Eindruck erhalten als bei der Betrachtung der dargestellten Ergebnisse. Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel dafür, dass man sich nicht mit dem Lesen der Abstracts begnügen sollte, wenn man eine Studie beurteilen möchte. Die wesentliche statistische Frage war hier, ob zwischen der Mg-Gruppe und der Placebo-Gruppe es unterschiedliche Verläufe bei den gemessenen Parametern gab. Dies war mit einer Ausnahme nirgends der Fall. Dennoch steht im Abstract, dass die Mg-Supplementierung den alaktaziden, anaeroben Stoffwechsel verbesserte, basierend auf einer „tieferen Laktakproduktion“ (was doppelt falsch ist, da die Konzentration und nicht Produktion des Laktats gemessen wurde und die Konzentration nicht unterschiedlich war) und des etwas besseren Countermovement Jump mit Armschwung. Wenn bei einer Serie von ähnlichen Krafttests nur einer von vielen unterschiedlich ausfällt, darf man nicht daraus schliessen, dass ein effektiver Unterschied bei der Kraft vorliegt. Berücksichtigt man die restlichen Ergebnisse dieser Studie sowie die Gesamtheit der Studien zu Magnesium und Leistung, muss man eher den Schluss ziehen, dass Mg-Supplemente keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistung haben – sofern man keinen Mangel hat, der aber eher selten vorkommen dürfte.
Literatur
1. Liu et al. Hypomagnesemia in a tennsi player. Phys.Sportsmed. 1983; 11:79–80.