Im Grundsatz wird angenommen, dass eine Kalorie eine Kalorie sei und dass es keine Rolle spielt, wann diese eingenommen wird. Wichtig sei für einen Gewichtsverlust jedoch eine negative Kalorienbilanz. Immer mehr Studien beschäftigen sich mittlerweile damit, ob das Timing der Kalorienzufuhr einen Einfluss auf den Erfolg der Gewichtsabnahme hat.
In letzter Zeit wurden vermehrt Studien durchgeführt, die nicht nur die Energieverteilung während des Tages in Zusammenhang mit dem Erfolg einer Diät untersucht haben, sondern auch den zirkadianen Rhythmus bezüglich Essverhalten, sowie physiologischer und molekularer Parameter untersuchte. Gerade weil die Zufuhr von Nährstoffen von sozialen Faktoren sowie vom individuellen Verhalten abhängig ist, ist die Untersuchung der Nahrungszufuhr in Abhängigkeit der Tageszeit von grosser Relevanz. Diese Studie wollte den Effekt zwei verschiedener Energiezufuhrschemata auf den Erfolg einer Gewichtsreduktion in bei Übergewichtigen einer randomisierten, kontrollierten Studie untersuchen. Dabei sollten Verhaltensänderungen (Bsp. Appetit, körperliche Aktivität) sowie der Energiemetabolismus mituntersucht werden. Die Studienteilnehmer nahmen je 4 Wochen lang drei Hauptmahlzeiten zu sich. Dabei wurde entweder die energiedichteste Mahlzeit frühmorgens oder spätabends zu sich genommen. Damit sollte untersucht werden, ob ein grosses Frühstück sowie ein kleines Abendessen die effizientere Gewichtsverluststrategie darstellen im Vergleich zu einem kleinen Frühstück und einem energiedichten Abendessen.
Methode
- Randomisierte, kontrollierte Studie während je 4 Wochen
- Individuell festgelegte Kalorienzufuhr mit Energiedefizit von 1100 kcal/Tag, iso-kalorisch in beiden Versuchen
- Verteilung der totalen Energiezufuhr in %: «Morning Loaded»-Versuch (ML): 45%/35%/20%; «Evening Loaded»-Versuch (EL): 20%/35%/45%
- 7-Tage Wash-out zwischen den beiden Interventionen, wobei die Kalorienrestriktion aufgehoben wurde
- Messungen vor und nach der Intervention sowie nach der Wash-out Phase beinhalteten: Gewicht, Grösse, Blutdruck, Körperzusammensetzung (BodPod), Magenentleerungsrate, Grundumsatzmessung (indirekte Kalorimetrie), Totaler Energieumsatz (Doubly-labeled Water Method), Kontinuierliches Glukosemonitoring, Fragebogen zu Appetit, Blutparameter (Bsp. LDL, HDL, Glukose, Triglyceride, HbA1c, Insulin); Schlafdauer, tägliche Schrittzahl, Aktivitäten (über Akzelerometer)
Ergebnisse
- Kein Unterschied im totalen Energieumsatz zwischen den beiden Versuchen (ML 2871 kcal/Tag, EL 2846 kcal/Tag)
- Signifikante Reduktion des Grundumsatzes von vor (1821 kcal/Tag, nach Wash-out: 1729 kcal/Tag) zu nach der Intervention (ML: 1675 kcal/Tag; EL 1690 kcal/Tag); jedoch kein Unterschied zwischen den beiden Interventionen
- ML resultierte in einem signifikant tieferen Mittelwert des totalen Appetit Scores über den ganzen Tag verglichen mit EL durch Reduktion von Hunger, Durst und Verlangen nach Essen
- Gewichtsverlust sowie Körperzusammensetzung war in beiden Interventionen vergleichbar (ML -3.33 kg, 38.49% Fettanteil; EL – 3.38 kg, 38.60% Fettanteil)
- Reduktion von Blutdruck, LDL, Triglyceriden und Glucose durch Gewichtsverlust, jedoch nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Interventionen ML und EL
Kommentar
Die induzierte Kalorienrestriktion hat zu einem Gewichtsverlust von rund 3.3 kg Gewicht geführt, unabhängig von der Verteilung der Nährstoffzufuhr über den Tag verteilt. Diese Energierestriktion hat unter anderem auch zu einer Reduktion des Grundumsatzes sowie zu einer Reduktion von Blutdruck, Glucose sowie LDL und Triglyceriden geführt. Zwischen den beiden Interventionen (ML und EL) konnten jedoch keine Unterschiede festgestellt werden. Einzig die subjektive Erfassung des Appetits während des gesamten Wachzustandes zeigte eine Reduktion von Hunger, Durst sowie Verlangen nach Nahrung in der Intervention, wo am meisten Kalorien morgens eingenommen wurden (ML).
Diese Studie zeigte, dass der Einfluss der täglichen Kalorienzufuhr mittels unterschiedlicher Verteilung über den gesamten Tag keine Auswirkungen auf den totalen noch auf den Ruheenergieumsatz gehabt hat. Auch der Erfolg der Gewichtsreduktion scheint unabhängig der Kalorienverteilung im Beobachtungszeitraum von 4 Wochen zu sein. Die Reduktion von Appetit und Hunger während dem Tag bei einer Ernährungsintervention, bei der die meisten Kalorien morgens eingenommen werden, könnte jedoch langfristig vorteilhaft sein, um nachhaltig Gewicht zu verlieren, wenn Hunger und Verlangen nach Essen reduziert sind. Dies könnte allenfalls dazu beitragen, dass die Kalorienrestriktion langfristig (mehr als die 4 Wochen in der Studie) aufrechterhalten werden kann.
Literatur
Ruddick-Collins et al., Timing of daily calorie loading affects appetite and hunger responses without changes in energy metabolism in healthy subjects with obesity, Cell Metabolism (2022), https://doi.org/10.1016/j.cmet.2022.08.001
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