Im letzten Jahrhundert war ein tätowierter Athlet eher eine Ausnahmeerscheinung. Heute fallen Athleten hingegen auf, wenn sie keine Tattoos tragen. Und während früher die Tattoos überschaubar waren, scheint es, als ob sie heute nicht gross genug sein können. Hat eine solche Veränderung der Haut einen Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit?

Beim Tätowieren wird ein Farbstoff wenige Millimeter tief in die Haut eingeführt. In der Nähe des abgelegten Farbstoffs befinden sich aber auch die Schweissdrüsen und ihre normale Funktion ist für die Thermoregulation von zentraler Bedeutung. Insbesondere bei sportlichen Belastungen in der Hitze spielt das Schwitzen und die Verdunstung des Schweisses eine massgebende Rolle bei der Kühlung des Körpers. Kürzlich wurde untersucht, ob Tattoos diesen Prozess stören.

Methode

  • 10 gesunde, junge Männer
  • Tattoo auf der einen Seite des Körpers, Grösse etwa 5 cm2, am Oberkörper oder Arm
  • Kein Tattoo auf der gleichen, gegenüberliegenden Seite des Körpers
  • Schweissfluss induziert durch auflegen auf die Haut eines mit Pilocarpin getränkten Gels
  • Messung von Schweissvolumens und Natriumgehalt im Schweiss

Ergebnisse

  • Schweissrate tätowierte Haut: 0.18 mL/cm2/min
  • Schweissrate nicht-tätowierte Haut: 0.35 mL/cm2/min
  • Natriumgehalt Schweiss tätowierte Haut: 69 mmoL/L
  • Natriumgehalt Schweiss nicht-tätowierte Haut: 43 mmoL/L

Kommentar

Die Induktion von Schweiss durch Pilocarpin ist eine anerkannte, klinische Methode und die Halbierung der Schweissrate bei der tätowierten Haut ist eindrücklich. Es ist aber die erste Studie dieser Art und man kann daher zurzeit nur Vermutungen über die praktische Relevanz des Ergebnisses anstellen. Bei einem Szenario von einem Triathlon in der Hitze und einem reichlich tätowierten Athleten könnte man sich vorstellen, dass die normale Funktion der Schweissdrüsen in der tätowierten Haut durchaus verändert ist. Ob dies aber für eine effektive Thermoregulation von Bedeutung ist oder ob die nicht-tätowierte Haut einfach etwas mehr schwitzt, bleibt unklar. Wie so oft braucht es auch hier mehr Studien in unterschiedlichen Settings, um eine klare Antwort zu erhalten.

Literatur

Luetkemeier MJ, Hanisko JM, Aho KM. Skin tattoos alter sweat rate and Na+ concentration. Med. Sci. Sports Exerc. 2017, in Druck.