Das Muskelglycogen kann bei diversen sportlichen Belastungen die Leistung limitieren und seit den 1960er Jahren werden kohlenhydratreiche Diäten zum Füllen der Glycogenspeicher eingesetzt. Ein solches Carboloading führt aber auch dazu, dass mit dem Glycogen etwas Wasser in den Muskeln eingelagert wird.
Die mit einem Carboloading einhergehende Gewichtszunahme ist in Fachkreisen gut bekannt. Gestritten wird aber über die Menge an Wasser, die lose an das Glycogen gebunden wird, und entsprechend gibt es keine anerkannte Schätzung der Gewichtszunahme, die bei einem Carboloading zu erwarten ist. In einer kürzlich durchgeführten kanadischen Studie wurde nun nicht nur die Gewichtszunahme nach einem Carboloading gemessen, sondern auch die Körperzusammensetzung vor und nach dem Carboloading mit DXA analysiert.
Methode
- 20 aktive, junge Männer (18-35 Jahre, >150 min physische Aktivität pro Woche)
- 3 Tage lang Carboloading mit rund 8 g Kohlenhydrate pro kg Körpermasse
- Körperzusammensetzung mit DXA gemessen
Ergebnis
- Körpermasse: vor = 74.1±8.1 kg; nach = 74.7±8.2 kg (p<0.001)
- Magermasse: vor = 60.8±6.4 kg; nach = 61.7±6.4 kg (p<0.001)
- Magermasse Extremitäten: vor 31.0±4.4 kg; nach = 32.4±3.8 kg (p=0.002)
- Körperfett: vor = 9.9±4.3 kg; nach = 9.6±4.0 kg (p=0.05)
Kommentar
Die Ergebnisse dieser kleinen kanadischen Studie bestätigen die bekannte Gewichtszunahme nach einem Carboloading. Sie zeigen aber vermutlich zum ersten Mal auf, dass die Zunahme in den verschiedenen Körperbereichen unterschiedlich stark ausfällt. Aufgrund der wesentlich grösseren Masse der Beinmuskeln im Vergleich zu den Armmuskeln kann man davon ausgehen, dass die rund 1.4 kg Zunahme der Magermasse der Extremitäten grösstenteils den Beinen zuzuschreiben ist. Diese 1.4 kg Zunahme wird auch kaum Muskelprotein sein, sondern dürfte in erster Linie durch das mit dem Glycogen eingelagerte Wasser verursacht worden sein. Die Frage ist nun: Verursacht ein Carboloading mit einer Gewichtszunahme von total 0.6 kg, aber wohl gut 1.0 kg in den Beinen, eine Leistungsverbesserung oder „stört“ das zusätzliche Gewicht? Die vorliegende Evidenz dazu ist nicht klar…
Diese Arbeit zeigt auch eindrücklich auf, dass eine Messung der Körperzusammensetzung mit DXA durch die unmittelbare Ernährung vor einer Messung erheblich beeinflusst werden kann. Wenn man die Körperzusammensetzung genau erfassen will, muss man eine DXA-Messung möglichst gut standardisieren. Dies dürfte nicht immer der Fall sein.
Literatur